Mikroplastik: Tiefsee wird zum Mülleimer der Meere

Mikroplastik belastet den Meeresgrund stärker als bisher angenommen. Bislang gingen Forscher davon aus, dass die Tiefsee von der Plastikpest weitgehend verschont sei. Doch gerade sie verkommt zum Endlager kleinster Kunststoffteilchen.

Tiefsee
Seeanemone Tiefsee wird zur letzten Ruhestatte von Plastimüll (Martin Stjernstedt/Pixabay)

Die Senckenberg-Forscherinnen Serena Abel und Angelika Brandt haben mit Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts und der Goethe-Universität Frankfurt die Mikroplastik-Verschmutzung des westpazifischen Kurilen-Kamtschatka-Grabens untersucht. Anders als erwartet, fanden sie in jeder der Proben aus der Tiefsee Kleinstpartikel. Die Experten untersuchten insgesamt 13 Sedimentproben aus Tiefen zwischen 5740 bis 9450 Meter.

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Die Proben waren während einer Tiefsee-Expedition im Jahre 2016 mit dem Forschungsschiff Sonne entnommen worden. Keine der Proben sei frei von Mikroplastik gewesen, berichte die Meeresbiologin Abel. „Pro Kilogramm Sediment haben wir zwischen 215 und 1596 Mikroplastik-Teilchen nachgewiesen – eine so große Menge hätte zuvor niemand erwartet.“

Tiefmeere als Sackgassen

Mikroplastik ist überall. Die kleinen Kunststoffteilchen belasten fast jedes Ökosystem der Erde. Die Meere sind besonders betroffen. Und die maritimen Gräben Tausende Meter unter dem Meeresspiegel verwandeln sich – wie die Studie zeigt – zunehmend zur letzten Ruhestätte für eine beunruhigend große Menge der kleinen Teilchen. Jedes Jahr gelangen schätzungsweise 2,4 bis 4 Millionen Tonnen Plastik über die Flüsse ins Meer.

Die Verschmutzung ist Folge des extremen weltweiten Plastikkonsums und mangelnder Müllentsorgung. Ein beträchtlicher Teil der Teichen sinkt zum Meeresboden und sammelt sich im Sediment an. Häufig transportieren ihn Strömungen bis in die tiefsten Regionen. Die Meeresgräben wirken wie Fallgruben oder Sackgassen. Die Teilchen kommen nicht mehr heraus und lagern sich letztendlich ab. So wird die Tiefsee zum Endlager des Mülls.

Insgesamt 14 verschiedene Plastikarten haben die Forscher in den Proben aus dem Kurilen-Kamtschatka-Graben gefunden. Unter den häufigsten Stoffen befindet sich Polypropylen, einer der weltweit für Verpackungen verwendeten Standardkunststoffe, sowie die für Lacke genutzten Acrylate und Polyurethan.

Dynamische Umgebung

Überrascht war das Forschungsteam von den bemerkenswerten Unterschieden zwischen den Proben. Bislang galt der tiefste Meeresgrund als eine vergleichsweise unbeeinflusste und stabile Umgebung. “Umso erstaunter waren wir, dass auch Proben, die nur wenige Meter voneinander entfernt entnommen wurden, ganz unterschiedlich aufgebaut waren“, berichtet Abel. Für die Forscherin beweist das, welch dynamische Umgebung die tiefsten Bereiche der Tiefsee tatsächlich sind. Nicht nur spezielle Strömungen und Wirbel, sondern auch die Organismen, die dort heimisch sind, hielten das Sediment in Bewegung.

Tatsächlich ist die Biodiversität am Grund des Kurilen-Kamtschatka-Grabens höher als in weniger tiefen Bereichen dieses Grabens. Eben diese hohe Biodiversität in der Tiefsee wird nach Einschätzung der Wissenschaftlerinnen durch die starke Verschmutzung mit Mikroplastik besonders gefährdet.

Mehr: Chemie.de

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