Metalle
Metalle – raus aus der Abhängigkeit vom Kriegstreiber

Ob Windrad, Batterie oder Wasserstoff: Die Industrie braucht für den grünen Umbau große Mengen Metalle. Ein wichtiger Lieferant ist Russland. Mehr Wiedergewinnung könnte Engpässen vorbeugen und die EU unabhängiger von Importen machen.

Metalle, gestapelt auf einer Schotthalde
Metalle von der Schrotthalde Europas Rohstoff-Bedarf steigt stark Foto: Pixabay

Momentan sind die EU-Staaten beim Bezug von für die Klimawende benötigter Metalle stark auf Quellen etwa in Russland oder China angewiesen. Die diktatorischen Regime dort können die Rohstoffe jedoch bei Konflikten jederzeit als Waffe einsetzen. Das bekommt die EU bei Erdgas und Öl gerade schmerzlich zu spüren. Wie aber kommt sie aus dieser Falle heraus?

Begehrte Metalle wie Lithium und Kupfer im Kreislauf führen

Eine Antwort liefert eine aktuelle Studie der belgischen Universität Leuven. Deren Experten raten, die Metalle aufzubereiten, die bereits im Lande sind. “Recycling ist Europas größte Möglichkeit seine langfristige Selbstversorgung zu verbessern und könnte 45 bis 65 Prozent des Bedarfs an Basismetallen decken”, schreiben sie in ihrem Papier.

Im Zuge der globalen Energiewende, die auf erneuerbare Energien und die Elektrifizierung des Verkehrs setzt, werde die Nachfrage zum Beispiel nach Lithium, Kobalt, Kupfer, Nickel und Seltenen Erden exorbitant um teils bis zu 2000 Prozent (Lithium) steigen, prognostizieren die Forscher. Daher drohten von 2030 an weltweite Versorgungslücken.

Selbstversorgung bei der Produktion von Batterie-Kathoden

Das Beruhigende: Europa kann gegensteuern, wenn es umgehend beginnt, seine Wiederverwertungs-Kapazitäten konsequent auf- und auszubauen. So die Botschaft der Studie. Bei Seltenen Erden und Lithium bestehe die Chance, bis 2050 Recyclingquoten von 100 beziehungsweise 77 Prozent zu erzielen (siehe Grafik unten). Mit einer solchen Kreislaufwirtschaft könnten sich die EU-Staaten zum Beispiel bei der Produktion von Kathoden für Batterien weitgehend unabhängig von anderen Bezugsquellen machen.

Recycling-Quoten für wichtige Metalle in Europa
Von Null auf Hundert Erreichbare Recycling-Quoten für wichtige Metalle in Europa bis 2050
Quelle: Eurometaux

Ohne die Neunutzung der vorhandenen Ressourcen gerät hingegen unter anderem das Ziel Elektromobilität in Gefahr. Damit E-Autos für Normalverdiener erschwinglich werden, müssen die Batteriepreise purzeln. Tatsächlich kannten sie zuletzt nur eine Richtung: nach unten. Doch jetzt droht der Trend sich umzudrehen. Ein Grund ist die enorm gestiegene Nachfrage nach den für die Antriebakkus benötigten Rohstoffe. Deren Angebot wird knapper, weil derzeit kaum irgendwo auf der Welt in die Erschließung neuer Lagerstätten investiert wird. Mithin also teurer.

Brüssel spendiert Reparaturbonus

Den Hunger nach Materialnachschub könnte ein EU-Projekt dämpfen, das gerade in Österreich startet. Dort trägt Brüssel bis zu einer Höhe von 200 Euro die Hälfte der Kosten, wenn Verbraucher kaputte Computer, Handys, TV-Geräte und Bügeleisen reparieren lassen statt sie wegzuwerfen. 130 Millionen Euro stellt die EU-Kommission als Reparaturbonus bis 2026 bereit – für alle Mitlgliedsländer.

Die Alpenrepublik ist anscheinend ein beliebtes Testlabor für umweltbewusstes Verbraucherverhalten. Europas größter Hausgerätehersteller BSH sammelt dort gerade Erfahrungen mit der Bereitschaft der Konsumenten, runderneuerte Waschmaschinen an Stelle eines Neugeräts zu erwerben.

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