Ohje! Haustier schlecht fürs Klima

Seit Corona das normale Leben einschränkt, legen sich die Deutschen wie wild Hunde und Katzen zu. Als Seelentröster und Freizeitbeschäftigung. Die neu entfachte Liebe zum Haustier hat eine schmutzige Kehrseite: eine miese Ökobilanz.

Haustier Hund und Katze beschnuppern sich Aug in Aug
Süß, aber auch problematisch Ein Haustier belastet die Umwelt stärker als gedacht Bild: blende 12 auf Pixabay

Das Thema hat echtes Aufregerpotential. Tierliebe kann doch keine Sünde sein, wird sich mancher Freund von Fiffi und Miezi spontan empören. Ein Haustier ist doch Natur pur.

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Jedes Haustier hinterlässt Unmengen an Kot und Urin

Richtig – und falsch zugleich. Wie so oft ist es eine Frage der Dosis. Inzwischen schnüffeln an Rhein und Elbe 15,7 Millionen Katzen und fast elf Millionen Hunde durch Straßen, Gärten und Wiesen. Und es werden ständig mehr. Sie hinterlassen Unmengen an Kot und Urin, scheuchen nistendes Federvieh auf und dezimieren vor allem in den Städten den Vogelbestand. Und das ist nur ein Teil des Problems.

Vor allem das Futter verhagelt die Bilanz

Matthias Finkbeiner, Leiter des Instituts für technischen Umweltschutz der TU Berlin, hat für unsere Vier-Pfoten-Lieblinge eine wissenschaftliche Ökobilanz aufgestellt. Dabei Herstellung und Herkunft des Futters, seine Transportwege und Verpackung sowie die Umweltbelastung ihrer Hinterlassenschaften und ihrer Beseitigung per Straßenreinigung einbezogen (siehe Grafik).

Vielfältige Pfade Auf welchem Weg Hunde die Umwelt belasten Quelle: Studie Finkbeiner et al.

Über die Lebensspanne der Tiere kommt einiges an Umweltsünden zusammen. Auch wenn diese sich zum Beispiel gegen die der massenhaften Nutztierhaltung von Rind, Schwein und Hühnern noch bescheiden ausnehmen. In der Modellrechnung der Berliner Forscher belastet ein 30 Kilogramm wiegender Hund das Klima jedes Jahr mit gut einer Tonne Kohlendioxid (CO2). Das entspricht in etwa der Menge, mit der ein Reisender die Atmosphäre auf einem Flug von Frankfurt auf die Kanarischen Inseln aufheizt. Wer hätte das gedacht.

Vorwurf der Doppelmoral

Finkbeiner redet den Tierfreunden deshalb ins Gewissen. “Wenn jemand zur Demonstration für mehr Klimaschutz mit einer 50-Kilo-Dogge geht und dann den Stopp von Kurzstreckenflügen verlangt, ist das eine Doppelmoral.” Zack, das tut weh.

Noch üppiger fällt das Sündenregister von Schnuffi & Co. aus, berücksichtigen Forscher etwa die Autofahrt zum Spaziergang im Wald oder die Wärmeverluste einer eingebauten Katzenklappe. So haben es die Fachleute des Ökobilanz-Instituts ESU-Services im schweizerischen Schaffhausen getan. Das ernüchternde Resultat: Nach dieser Rechnung setzt die Haltung eines 29-Kilo-Labradors im Jahr so viel CO2 frei wie eine Autofahrt über 2828 Kilometer. Katzen kommen auf 1164 Kilometer.

Lange würde die Belastung fürs Klima ignoriert

Die Forscher betonen, sie wollten Bewusstsein für das Problem schaffen, nicht jedoch die Tierfreunde an den Pranger stellen. Jedes Hobby habe eben in Bezug auf die Umwelt Nebenwirkungen, die abgewogen sein wollen. “Einen Hund halten, jeden Tag Fleisch essen, das dickste Auto fahren und viel fliegen – das ist vielleicht zu viel”, findet Finkbeiner.

Lange sei die Belastung fürs Klima übersehen worden, räumt Michael Bilharz vom Umweltbundesamt ein. Aber inzwischen hat die Behörde die Haltung eines Haustiers in seinen CO2-Rechner integriert. Mit ihm kann jedermann seine persönliche Klimabilanz abschätzen.

Hunde vegan ernähren

Sie verbessert sich für Tierhalter mühelos, wenn sie ein paar Regeln befolgen. Beispielsweise ihre Lieblinge nicht überfüttern, was auch deren Gesundheit zugute kommt. Hunde lassen sich, Fachwissen vorausgesetzt, sogar vegan ernähren. Das berichtet Volker Wilke von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Bei Katzen sei das allerdings nahezu unmöglich. Doch auch bei ihnen lässt sich im Sinne des Klima was drehen: Mehr Trockenfutter, und Muskelfleisch in der Nahrung möglichst durch tierische Nebenprodukte ersetzen, lautet Wilkes Empfehlung. Und vielleicht doch noch einmal überlegen, ob es wirklich der dritte Vierbeiner im Haushalt sein muss.

Mehr: Tagesspiegel

Von Dieter Dürand

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