Pforten der Hölle: Megabrände zerstören Frankreichs Wälder

Der Sommer ist gerade mal vier Wochen alt. Doch jetzt schon sind in Frankreich rund 40 000 Hektar Wald verbrannt. Über 37 000 Menschen mussten evakuiert werden. Fachleute schließen größere Waldbrände selbst in der Hauptstadtregion Île-de-France mehr nicht aus. Brennt Paris?

Waldbrand Frankreichs Wälder und Siedlungen in Gefahr (Gerd Altmann/Pixabay)

Jetzt schon sind 5,8 mal mehr Waldflächen betroffen als in den Jahren 2006 bis 2021. Und anders als in fast allen Vorjahren sind es diesmal nicht die Wälder in Provence oder auf Korsika, die in Flammen stehen, sondern die Forste im Westen des Landes. 3500 Waldbrandausbrüche verzeichneten die Feuerwehren während der vergangenen Wochen zwischen Rhein und Atlantik.

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Vor allem die großen Waldgebiete südlich von Bordeaux, im Departemont Gironde, brannten lichterloh. Dort gingen in Nähe der Bucht von Arcachon, einem beliebten Feriengebiet, fünf Campingplätze vollständig in Flammen auf. Auch in der Bretagne, bislang nicht als besonders gefährdetes Waldbrandgebiet bekannt, stand eine Waldfläche von fünf mal zwei Kilometer in Flammen. Zwar ist es den Feuerwehrleuten in beiden Brandgebieten während der vergangenen Nacht gelungen, die Ausbreitung zu stoppen. Doch noch innerhalb der betroffenen Waldflächen gibt es immer noch Brandnester.

Bodenwärme 60 Grad

“Die Situation hat sich verbessert, aber der Kampf gegen das Feuer ist noch nicht vorbei “, warnte die Präfektin der Gironde, Fabienne Buccio, anlässlich einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag. Die Feuerwehrleute und Förster können jetzt zumindest Bäume und Sträucher entfernen, um Schutzstreifen ohne Brandlast anzulegen. Zusätzlich vernässen sie Waldstreifen. Dabei griffen sie zu ungewöhnlichen Mitteln. Hunderte Bauern halfen, indem sie Schutzstreifen mit Tonnen von Wasser aus ihren Güllewagen benetzten.

Die Feuer sind Folgen des Klimawandels. Am Montag waren die Thermometer in Westfrankreich auf 40 Grad Celsius und mehr angestiegen. Auch in den Tagen davor war es ungewöhnlich heiß. Schon der Mai war warm gewesen. Und die Wälder hatte sich noch nicht von dem trockenen Herbst erholt. Unter diesen Umständen bringen Schattentemperaturen von 40 Grad eine Bodenwärme von 55 bis 60 Grad mit sich. Der Experte des französischen Wetterdienstes Météo France für Vegetationsbrände, Romaric Cinnoti, erklärte in einem Interview mit der bretonischen Regionalzeitung Le Télégramme, dass der Klimawandel mit den damit verbundenen Hitzewellen und Trockenperioden zwangsläufig zu häufigeren Waldbränden führe: “Wir haben heute drei bis maximal sechs Risikotage im Jahr. Ab 2050 werden es zwei Wochen sein.”

Brennt auch Paris?

Die Frage ist bislang nicht ernsthaft gestellt worden. Aus guten Gründen: Die Region Île de France war nie besonders von Waldbränden betroffen. Doch in In diesem Jahr gab es bereits 26 Waldbrände in der Hauptstadtregion, die etwa 30 Hektar Wald zerstörten. Ein Klacks im Vergleich zu den Bränden in Westfrankreich, ein Klacks auch bezogen auf die 287 000 Hektar Wald in der Region. Da aber etwa ein Viertel der Oberfläche der Region mit Wald bedeckt ist, machen sich nicht nur die Experten zunehmend Sorge.

“Früher war nur der Wald von Fontainebleau betroffen, jetzt sind es alle Wälder in der Île de France”, sagte Sophie David, Chefin des Projektes Fôret d’Exeption der nationalen Forstverwaltung, dem Fernsehsender France 3 vorgestern. Und mit dem Klimawandel vergrößere sich die Gefahr. Ihre Kollegin Claire Nowak, Verantwortliche für die Forste der Region im Rahmen der nationalen Forstverwaltung geht noch einen Schritt weiter: Es sei unmöglich, ein vergleichbares Szenario wie im Departement Gironde für die Hauptstadtregion auszuschließen.

Mehr: France 3

Lothar Schnitzler/Frankreich

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