Wie ein ökologisch optimierter Speiseplan das Klima rettet und die Gesundheit fördert

Ob vegan, fleischarm oder mit Insekten – unser Speiseplan kann die Erderwärmung spürbar bremsen. Das zeigt eine Studie aus Finnland. Welche Ernährung hilft.

Fleischloses Gericht aus Mungbohnen auf dem Speiseplan
Fleischloses Mungbohnen-Gericht Speiseplan für die Klimarettung Foto: cutekirin/Pixabay

Die Ergebnisse sind verblüffend – und stimmen hoffnungsfroh. Besteht der Speiseplan überwiegend aus Pilzen, Algen, Insekten sowie Milch und Fleisch, im Labor auf pflanzlicher Basis gezüchtet, sinkt die Belastung von Land, Wasser und Klima um satte 87 Prozent. Im Vergleich zu üblicher europäischer Kost. Mit bis zu 84 Prozent schont eine rein vegane oder eine Ernährung, die Tierprodukte sparsam verwendet, die Umwelt fast ebenso effektiv. Im Durchschnitt reduzieren die ökologisch optimierten Ernährungsweisen den Resourcenverbrauch und Treibhausgasausstoß auf ein Fünftel – zumindest im Modell.

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Neuartiger Speiseplan mit besonders vielen wertvollen Nährstoffen

Die weitere gute Nachricht: “Sie ist auch ernährungsphysiologisch sinnvoll”, versichert Rachel Mazac, Leiterin der an der Universität in Helsinki erstellten Studie über eine auf neuartigen Lebensmitteln basierende Kost. Wissenschaftler titulieren sie als Novel/Future Food: kurz NFF.

Darunter verstehen die Forscher vor allem Lebensmittel, die durch neue Produktionstechniken gewonnen werden – etwa Fleisch, Eier und Milch aus Bioreaktoren, oder Lebensmittel auf Grundlage von Mikroalgen, Pilzen, Bakterien, oder Insekten wie Mehlwürmer, Heuschrecken und Grillen.

Gesünder essen fürs Klima

Dass Obst und Gemüse Leib und Seele zusammenhalten, darauf schworen schon unsere Altvorderen. Doch selbst wer zusätzlich fleißig Hülsenfrüchte und Getreide isst, nehme nicht ein gleich wertvolles Spektrum an essentiellen Nährstoffen zu sich, wie sie NFFs böten. Das versichert Forscherin Mazac. Die enthielten große Mengen an Eiweißen, Kalzium, Vitamin B12 und mehrfach ungesättigten Omega 3-Fettsäuren.

Drängt sich die Frage nach der Bereitschaft der Menschen auf, zum Wohle des Klimas von lieb gewonnenen Eßgewohnheiten zu lassen, auf vertraute Geruchs- und Geschmackserlebnisse zu verzichten?

Massentierhaltung heizt die Erde auf

Die Faktenlage ist klar. Beispiel Fleischkonsum. Er trägt massiv zur Klimaerhitzung bei. Würde die EU hingegen die Tierhaltung um drei Viertel zurückfahren, sänken die durch sie verursachten Treibhausgas-Emissionen um jährlich mehr als 533 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. So eine Greenpeace-Studie.

Dass dennoch nicht entschieden gegengesteuert wird, bringt den langjährigen Ko-Vorsitzenden des Club of Rome, Ernst Ulrich von Weizsäcker, auf die Palme. Rund vier Fünftel der ernährungsbedingten Klimagas-Emissionen stammten aus der Massentierhaltung, betont er. Die dadurch hervorgerufenen ökologischen Schäden spiegelten sich aber nicht mal ansatzweise in den Preisen wider. “Wir Konsumenten zahlen keinen Pfennig dafür”, moniert er.

Eierersatz aus Mungbohnen und künstliches Hühnerklein

Unterdessen nimmt die Produktion fleischloser Alternativen Fahrt auf. Deren Protagonisten locken finanzkräftige Investoren an. Beispielhaft für den Trend steht das inzwischen mehrere Milliarden US-Dollar schwere kalifornische Start-up Eat Just. Es verkauft an Supermärkte und Restaurants in aller Welt aus Mungbohnen hergestellten Eierersatz und neuerdings auch künstliches Hühnergeschnetzeltes. Der israelische Newcomer Redefine Meat serviert fleischlose Würstchen und Steaks aus dem 3-D-Drucker.

Neue Abhängigkeiten von Lebensmittel-Multis

Doch der Trend wirft auch Fragen auf. Kritiker wollen wissen, mit welchen Ressourcen die Bioreaktoren gefüttert werden und wie viel Energie sie verschlingen. Sie sorgen sich um die Vielfalt der Nahrungsfrüchte. Vor allem aber sehen sie noch nicht, wie eine hochtechnologisierte Ernährungsweise die Nahrungsmittelknappheit in den armen Ländern des Südens beheben kann. Oder ob sie nicht am Ende abhängig sind von wenigen Lebensmittel-Multis, die mit Kampfpreisen traditionell wirtschaftende Kleinbauern vom Markt verdrängen.

Mehr: natureasia Geo CNBC Guardian

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