Die vielen Lockdowns wegen der Corona-Pandemie haben Bewohnern und Stadträten drastisch vor Augen geführt, wie wichtig es gerade in Metropolen ist, ein Stück Natur vor der Haustür zu haben. Jetzt soll jede dritte Straße zu einer autofreien grünen Zone werden.
An manchen Ecken ist die Neuausrichtung schon zu erleben. Wo sich vorher Autos und Zweiräder drängten, sind in einigen Stadtquartieren vom motorisierten Verkehr befreite Plätze entstanden. Kleine Oasen der Ruhe, wo Bäume Schatten spenden, Bänke zum Verweilen einladen und Kinder ungestört spielen können. Superilla oder Superblocks nennen die Barcelonès die grünen Knotenpunkte im Stadviertel Poblenou – katalanisch für neues Dorf.
Jetzt soll alles noch viel schneller gehen. Gerade hat die Stadt einen Zehn-Jahres-Plan vorgestellt, um in dieser Zeitspanne jede dritte Straße in eine autofreie Erholungszone zu verwandeln. 38 Millionen Euro nimmt sie dafür in die Hand. Die Grünzüge sollen nicht nur die Luftverschmutzung zurückdrängen. Sie verschaffen auch Bevölkerungsgruppen wie Kindern, Müttern und älteren Menschen Bewegungsfreiheit, deren Bedürfnisse vorher wenig Berücksichtigung fanden.
6,6 Hektar grüne Flächen entstehen neu, so der Plan, auch um wieder mehr Artenvielfalt in die Stadt zu holen. Für Fußgänger und Radfahrer werden 33,4 Hektar zusätzlicher Platz frei geräumt, ähnlich viel Fläche wie einer der größten Parks der Stadt bietet, der Parc de la Ciutadella.Und alle grünen Zonen werden mit dem öffentlichen Nahverkehr verbunden – niemand muss mit dem Auto hin.
Die ökologische Stadtbewegung findet inzwischen an vielen Orten Zulauf. Wie Paris will nun auch Mailand Asphalt zur Grünflächen umwidmen. Schlagzeilen macht auch das belgische Beringen in der Provinz Limburg. Die einstige Bergbaustadt ist gerade mit dem Green Cities Award 2020 für seine Transformation ausgezeichnet worden: Einstige Kohlehalden haben Landschaftsarchitekten dort in ein Naturreservat und einen Abenteuerpark umgestaltet.
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