Auto-Bodenverkleidung aus Fischernetzen

Der Münchner Autobauer BMW zündet bei der Wiederverwertung von Kunststoff eine neue Stufe. Per neuartigem Verfahren gewinnt er ein Rezyklat aus Fischernetzen.

Sortieren von Fischernetzen
Ein Arbeiter beim Sortieren von ausrangierten Fischernetzen Rohstoff für Auto-Bodenverkleidungen
Bild: BMW Group

Wie die meisten Konkurrenten setzt auch der bayrische Premiumhersteller viel daran, seinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Ein Ansatzpunkt der Manager ist es, speziell Plastik, das sonst als Abfall die Meere vermüllen würde, zu verwenden und so den Verbrauch Erdöl-basierter Kunststoffe zu verringern. Dafür sammeln sie in vielen Häfen der Welt ein, was an ausgedienten Fischernetzen und Nylonseilen zu haben ist.

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Aus Fischernetzen wird ein Kunststoff-Granulat

Schon bisher arbeitete BMW diese, gemischt mit Produktionsabfällen und zerschliessenen Bodenbelägen, zu einem wiederverwertbaren Kunststoffgarn um. Jetzt gehen die Ingenieure den nächsten Schritt: Mit dem dänischen Recycling-Spezialisten Plastix entwickelten sie ein innovatives Verfahren, das Seile und Netze direkt in ein Granulat umwandelt (siehe Foto unten). Der Vorteil: Dieses lässt sich über Heißdüsen direkt zu beinahe beliebigen Bauteile spritzen, was die Anwendungsmöglichkeiten im Vergleich zum Garn deutlich erweitert.

Granulat aus alten Fischernetzen
Granulat aus kaputten Fischernetzen Vielfältige neue Anwendungen Bild: BMW Group

Zum Einsatz kommen soll das neue Rezyklat von 2025 an, und zwar in Modellen der sogenannten “Neuen Klasse”. Zunächst für Bodenverkleidungen. Darin soll es sich mit einem Anteil von 30 Prozent wiederfinden. Die neue Nutzung senkt die CO2-Emissionen gegenüber herkömmlich produzierten Komponenten laut BMW um rund ein Viertel. Insgesamt plant der Autobauer, den Anteil von Sekundär-Material in seinen Thermoplast-Kunststoffen bei Neuwagen bis 2030 auf 40 Prozent zu verdoppeln.

Schlüsselelement gegen den Klimakollaps

Weil Lieferketten gestört und Rohstoffe knapp und teuer sind, wächst in der Industrie das Interesse am Aufbau von Materialkreisläufen. BMW-Konkurrent Mercedes liebäugelt sogar mit dem erstmaligen Bau einer originären Recycling-Fabrik. Experten wie der renommierte Wissenschaftsautor Ulrich Eberl halten den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft für ein Schlüsselelement gegen den Klimakollaps. “Mit konsequentem Recycling können wir den Ressourcenverbrauch enorm reduzieren”, sagte er jüngst im Greenspotting-Interview.

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