CO2-neutrale Autos: Schrott, PET-Flaschen und Kunstleder

Die Autobauer wollen nicht nur beim Fahren Kohlenstoff einsparen. Vor allem die Rohstoffe zur Herstellung der Stromer stammen zunehmend aus Schrott, Resten und Abfall-Produkten.

Schrott
Mercedes-Benz-Stromer EQS Stahl stammt zu 80 Prozent aus Schrott (Bild: Mercedes Benz)

Bei der Konzeption neuer Autos geht es nicht nur um Verbrauch und Emissionen, auch recycelte Materialien werden immer wichtiger. Das Ziel: klimaneutrale Fahrzeuge von klimaneutralen Herstellern. Bei der energieeffizienten Herstellung und Wiederverwertung von Aluminium und Stahl hat das Umdenken längst eingesetzt. Für den neuen Mercedes-Benz EQS etwa wird Stahl verarbeitet, der zu 80 Prozent aus Schrott gewonnen wird. Porsche verwendet Abfall aus der eigenen
Produktion. Zudem wird immer mehr Aluminium verarbeitet, das mittels Solarenergie hergestellt wurde.

Um CO2-Reduktion geht es auch im Inneren des Autos. Garne für Autoteppiche werden zum Beispiel aus recycelten PET-Flaschen, Sicherheitsgurten und Textilresten hergestellt. Kork oder Flachs sind ebenfalls eine Alternative für Kunststoffe. Hyundai organisiert zusammen mit der Meeresschutzorganisation Healthy Seas unter Einbezug der lokalen Bevölkerung weltweit Reinigungsaktionen mit Tauchern. Das
aufgefischte Plastik wird mit anderen Nylonabfällen zu Garn verarbeitet.

Fischernetze für den Innenraum

BMW sammelt weltweit gebrauchte Fischernetze und Seile ein und verarbeitet sie direkt zu Garn, in der Erprobung sind Verfahren zur Umwandlung von Meeres-Plastik zu Kunststoff-Granulat, welches dann in Spritzgussverfahren eingesetzt werden soll. Der Herstellungsprozess dieser speziellen Garne und Kunststoffe verursacht im Vergleich zu konventionellen Kunststoffen rund 25 Prozent weniger CO2.

Auch beim Interieur denken die Autobauer um. Die Stoffsitze beim neuen Renault Megane E-Tech bestehen zu 100 Prozent aus Recycling-Materialien. Viele Hersteller bieten für einzelne Modelle lederfreie
Varianten an, die aus Kunstleder, Alcantara oder Mikrofaser-Vliesstoffen in Kunstlederoptik gefertigt werden. Nicht nur die Sitzbezüge, auch Türverkleidungen, Armaturenbretter oder Lenkräder werden heute mit synthetischem Leder bezogen.

Bentley bleibt beim Leder

Nur die Oberklasse-Hersteller tun sich damit noch schwer. Sie suchen nach anderen Wegen. Die Mercedes-Forschung arbeitet an einem Lederersatz, der aus pulverisierten Kaktusfasern oder aus den
wurzelartigen Strukturen der Pilze gewonnen wird. Und Bentley mag vorerst noch gar nicht auf Leder verzichten.

Mehr: Neue Zürcher Zeitung

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