Landwirtschaft und Industrie plündern Wasservorräte – auf Kosten der Bürger

Nicht nur in den Ländern des Südens wird das Wasser knapp. In Deutschland begünstigt eine absurde Preisgestaltung die rücksichtslose Nutzung der Wasservorräte.

Wasservorräte
Moderne Düngung Nitrate versauen Wasservorräte (Uschi Dreiucker /Pixelio.de)

Insbesondere die Nitratbelastung durch die übermäßige Düngung mit Stickstoff wird zum Problem. Der Stickstoff verbindet sich im Boden zu Nitrat, das Grund- und Oberflächenwasser verunreinigt. Für die Verbraucher wird es dann teuer. Denn die Wasserwerke müssen die Brunnen vertiefen und aufwendige Aufbereitungstechniken einsetzen. Teilweise übersteigt die Nitratbelastung die EU-Grenzwerte von 50 Milligramm um 700 Prozent. Ökologische Landwirtschaft, so die Ergebnisse einer ökometrischen Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), würde die Belastung der Wasservorräte erheblich verringern. „Eine einprozentige Zunahme der ökologisch bewirtschafteten Landwirtschaftsfläche geht mit einer geringeren Nitratkonzentration um 0,3 Milligramm je Liter einher“, erklärt Studienautorin Nicole Wägner.

Doch rügen die Ökonomen des DIW nicht nur die Agrarbranche. Auch Industrie und Bergbau verbrauchen große Mengen an Wasser. So verbraucht der Chemieriese BASF allein an seinem südbrandenburgischen Standort Schwarzheide bis zu 3,3 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr. Und der texanische E-Autobauer Tesla geht für die Fabrik in Grünheide bei Berlin von einem jährlichen Verbrauch von bis zu 3,8 Millionen Kubikmeter aus. Noch schlimmer ist der Wasserverbrauch durch den Braunkohle-Tagebau in der Lausitz. Die Grube der LEAG in Jäntschwalde bei Cottbus beanspruchte über hundert Million Kubikmeter Wasser im Jahr. Nur 42 Millionen Kubikmeter davon waren zugelassen. Zum Vergleich: Eine Stadt wie Köln mit etwas mehr als einer Million Einwohner verbraucht jährlich rund 50 Millionen Kubikmeter Wasser.

Schleuderpreise

Begünstigt werde der Wasserverbrauch durch eine willkürliche und intransparente Preisgestaltung. Die Verteilung von Wasser werde nicht – wie in anderen Bereichen unserer Wirtschaftsordnung – durch Preise geregelt. Vielfach bestimmten Anordnungen der Verwaltungen, wie viel die Großverbraucher konsumieren dürfen und zahlen müssen. Nur zu häufig zahlen sie überhaupt nichts. In drei Bundesländern kostet das Abpumpen oder Ableiten von Wasser den Großverbrauchern grundsätzlich nichts. In den anderen Ländern existieren für Landwirte und Montanbetriebe günstige Ausnahmebestimmungen.

Ordnungspolitische Sündenfälle

Da, wo gezahlt werden muss, variieren die Preise enorm. In der Landwirtschaft kann der Kubikmeter 0,5 Cent oder 31 Cent kosten. Im Bergbau liegen die Preise für den Kubikmeter zwischen 6 und 31 Cent. Nachvollziehbare Gründe für die Preisunterschiede gibt es nicht. Die DIW-Forscher fordern daher die Anwendung marktwirtschaftlicher Prinzipien bei der Preisgestaltung.

Mehr: DIW, Handelsblatt

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