Deutsche-Bank-Studie über E-Autos unter Beschuss

Analysten von Deutschlands größter Bank hatten die hohen Kosten für die Staatskasse und die soziale Schieflage der Förderung angemahnt. Jetzt melden sich die Kritiker der Untersuchung zu Wort und verweisen auf mögliche Investments der Großbank in die auslaufende Verbrennertechnik und auf die unvermeidlichen Streuverluste bei Anschubfinanzierungen.

Luxus-E-Schlitten Mercedes-EQS 580 Förderung begünstigt Wohlhabende (Foto: Daimler)

Die Deutschbanker hatten in der Untersuchung eine Fördersumme von rund 20 000 Euro pro Elektroauto der oberen Mittelklasse errechnet. Dabei waren die Autoren von einer zwölfjährigen Lebenszeit der Fahrzeuge ausgegangen, in der sich allein die Steuer- und Abgabeneffekte auf 9 500 Euro belaufen. Dazu kämen noch die einmaligen Förderungen von 6 000 bei der Beschaffung und 900 Euro Zuschuss für die Ladesäule. Auch der Zuschuss der Autohersteller von 3 000 Euro koste dem Staat einiges an entgangenen Steuerzahlungen. Kasse machten auch die Nutzer von E-Firmenwagen, weil die Besteuerung des geldwerten Vorteils nur halb so hoch sei wie die von Verbrennern. Dem Fiskus entstünden nur dadurch bei einem PKW der oberen Mittelklasse jährlich Kosten von 3 700 Euro.

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Subventionen für das Drittauto

Ungewöhnlich für Banker: Die Autoren kritisieren die Benachteiligung der Geringverdiener durch die Fördermodelle. Unter den Haushalten, die bereits über ein Steckerauto verfügen oder eins kaufen wollen, sei der Anteil mit überdurchschnittlichem Einkommen dreimal so hoch wie der mit unterdurchschnittlichem Einkommen. Auch Bewohner von Einfamilienhäusern seien unter den Geförderten überrepräsentiert. Letztlich handele es sich somit um eine Umverteilung von unten nach oben. Darüber hinaus sei die Förderung insgesamt zu teuer. Die CO2-Vermeidungskosten der Elektromobilität betrügen rund 1 000 Euro pro Tonne CO2. Im Emissionshandel lägen sie bei nur 50 Euro.

Kritiker vermuten Kapitalinteressen hinter der Studie

Schon kurz Erscheinen der Studie meldeten sich die Kritiker. Inhaltlich wurde so gut wie nichts bemängelt. In den Internetforen wurde jedoch darauf hingewiesen, dass die Deutsche Bank über Anleihen, Aktienpakete oder Kredite in die absterbende Verbrennerwirtschaft investiert sei. Diese Investments kämen durch den beschleunigten Ausstieg aus der Fossiltechnik unter Renditedruck. So fragte ein Autor unter dem Namen masta auf Golem, “ob man bei der Deutschen Bank nicht diverse Sorgen um stranded assets” habe. Das würde das Erscheinen der “Studie” (Anführungszeichen wie im Original/Red.) erklären. Andere bemängelten, dass die Analyse außer Acht gelassen habe, dass es sich um eine notwendige Anschubfinanzierung handele. Diese seien bei Technologiewechseln so gut wie immer unvermeidlich. Nicht zuletzt werde durch die Subventionen eine tragende Branche der deutschen Wirtschaft gestützt und verhindert, dass “Millionen von Arbeitsplätzen flöten” gingen.

Der Bundesverband eMobilität (BEM) kritisierte gegenüber der linken Tageszeitung TAZ die Grundtendenz der Studie. Die Förderung sei nicht, wie behauptet, durch eine soziale Schieflage gekennzeichnet. Sie sei, so BEM-Vize-Präsident Christian Heep, im Gegenteil davon geprägt, “dass auch einkommensschwache Gruppen solche Fahrzeuge erwerben” könnten. Heep bemängelte darüber hinaus, dass bislang ausschließlich PKW bezuschusst würden und nicht auch Kleintransporter. Gerade für Handwerker und für kleinere Unternehmen würde eine Förderung von E-Kleintransportern Sinn machen und CO2-Ausstöße vermindern.

Mehr: Deutsche Bank Research

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