Die Krux mit den Wärmepumpen

Wärmepumpen sollen nach dem Willen der EU und der Bundesregierung Europas Gasabhängigkeit mildern. Doch interessierte Hausbesitzer stoßen auf etliche Hürden.

Kollektoren für Wärmepumpen wie vor diesem Einfamilienhaus entziehen der Luft Wärmenergie
Wärmepumpen im chicken Design Die neue Standardlösung fürs Heizen und warmes Wasser Foto: bwp

Das haben sich die EU-Kommission und Klimaminister Robert Habeck schön ausgedacht. Elektrische Wärmepumpen sollen die neue Standardlösung sein, um Bürger, Gewerbe und Industrie mit warmem Wasser fürs Waschbecken und Heizen zu versorgen. Denn die Geräte entziehen einen Teil der benötigten Energie entweder der Luft, dem Erdreich oder dem Grundwasser (siehe Video unten). Das macht sie wesentlich klimaschonender als Gas- und Ölheizungen. Erst recht, wenn Wind und Sonne den Strom für den Betrieb bereitstellen. Gut für die Energiewende – gut fürs Klima.

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Kostenlose Energie aus der Umwelt Wie Wärmepumpen funktionieren Quelle: Effizienzhaus

Immobilienbesitzer haben die Botschaft verstanden. Sie steigen in Scharen auf die grüne Wärmetechnologie um. Im Trend liegen vor allem Geräte, die der Luft Energie entnehmen (siehe Grafik unten). Zusätzliche treiben die rapide gestiegenen Kosten der fossilen Brennstoffe die Nachfrage an. Immer häufiger passiert es sogar, berichten Brancheninsider, dass Kunden bereits bestellte und geplante Gas- und Ölanlagen stornieren und auf eine Wärmepumpe wechsel wollen.

Massenansturm auf Wärmepumpen

Der Massenansturm stellt Hersteller und Handwerk in ganz Europa vor zunehmende Probleme. Sie bringen die ehrgeizigen Ziele in Gefahr: 30 Millionen neue Wärmepumpen peilt die EU bis 2030 an. Habeck möchte erreichen, dass von 2024 an jährlich eine halbe Million Geräte neu installiert werden.

Doch jetzt zeigen sich gleich mehrere Engpässe:

  • Obwohl Marktgrößen wie Vaillant und Viessmann massiv in den Ausbau ihrer Fertigungskapazitäten investieren, kommen sie laut Sven Fischer, Geschäftsführer des Fachverbands Sanitär, Heizung, Klima Sachsen, mit der Produktion nicht hinterher. “Wir könnten viel mehr Wärmepumpen verbauen, könnte die Industrie liefern.”
  • Doch selbst wenn eines Tages der Nachschub rollt, fehlt es an Personal für den Einbau. 60 000 Fachkräfte würden gesucht, berichtet der Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK). Verschärfend kommt hinzu, dass Wärmepumpen für viele Betriebe Neuland sind. Höchstens ein knappes Drittel der Betriebe sei qualifiziert, die Geräte richtig zu planen, auszulegen und zu installieren, schätzt der Branchenverband.
  • Schließlich dauert der Einbau einer Wärmepumpe deutlich länger als der eines Gas- oder Ölkessels und ist viel personalintensiver.

Unerfahrene und überlastete Heizungsmonteure können den Kunden jedoch viel Zeit, Geld und Nerven kosten. Ein häufiger Fehler: Um auf der sicheren Seite zu sein und weil die Installateure den Wärmebedarf oft falsch berechnen, überdimensionieren sie die Anlage völlig. Die Kunden kommen solche Planungsfehler teuer zu stehen. Die Anschaffungskosten, die ohnehin teilweise schon bei mehr als 30 000 Euro liegen, steigen ins extrem unwirtschaftliche. Zu allem Übel wird die Wärmepumpe zum regelrechten Stromfresser. Dass der Staat die Anschaffung mit bis zu 45 Prozent der Kosten bezuschusst, tröstet dann nurmehr wenig.

Ohne erfahrene Installateure gerät die Anschaffung zum Glücksspiel

Eine kompetente Beratung ist extrem wichtig, betont Wolfgang Borz, Innungsmeister des Thüringer Dachverbandes Sanitär Heizung Klima: “Es reicht nicht, einfach zu sagen, Ich tausche jetzt meinen Gaskessel oder meinen Ölkessel aus und setze dafür eine Wärmepumpe hin. Das wird sicher schief gehen.”

Kein Interessent sollte darauf verzichten, sich selbst vorab so gut es geht kundig zu machen. Service-Plattformen wie “Effizienzhaus” bieten dafür umfassende und gut verständliche Checklisten an. Sie helfen, geeignete Handwerker zu finden, geben Tipps zur richtigen Dimensionierung, klären über Kosten und Förderprogrammen auf und erläutern verständlich die Technik.

Solarstrom vom Dach wird wieder höher vergütet

So lohnt sich die Prüfung, die Wärmepumpe mit einer Photovoltaik-Anlage zu kombinieren. Der aktuelle Anlass: Solarstrom aus Dachanlagen wird seit kurzem mit bis zu 13,4 Eurocent je Kilowattstunden vergütet. Zuletzt waren die Sätze auf 4,26 bis 6,24 Cent gesunken – abhängig von der Größe des Dachkraftwerks. Unabhängig von der verbesserten Vergütung gilt: Je mehr kostenfreier Eigenstrom für den Betrieb der Wärmepumpe genutzt wird, desto größer der Vorteil für die Umwelt und den eigenen Geldbeutel.

Mehr: euraktiv mdr

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