Europas Städter atmen gesundheitsschädliche Mengen an Schadstoffen ein

Die Luftqualität in den urbanen Zentren von Portugal bis Polen hat sich zwar gebessert. Doch noch immer ist die große Mehrheit der Bewohner gefährlichen Konzentrationen an Schadstoffen ausgesetzt. Nicht selten mit tödlichem Ausgang.

Abgasgeschwängerter Straßenverkehr Feinstaub attackiert die Atemwege Foto: blende12 auf Pixabay

Das enthüllt ein gerade veröffentlichter Report der EU-Umweltagentur EEA in Kopenhagen. Beispiel Feinstaub: 97 Prozent der Stadtbewohner in den 27 Mitgliedsstaaten sind demnach einer Konzentration der Mini-Partikel ausgesetzt, die den Richtwert der Weltgesundheitsorganisation WHO überschreitet.

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307 000 zusätzliche Tote

Nicht besser sieht es bei der Belastung mit Stickstoffdioxid und bodennahem Ozon aus. Von diesen Giften atmen 94 beziehungsweise 99 Prozent der Städter mehr ein als die WHO als Höchstgrenze empfieht – zum Schaden ihres Organismus’.

Das hat Folgen. 2019 starben den EEA-Experten zufolge EU-weit allein durch die Luftbelastung mit Feinstaub 307 000 Menschen vorzeitig, darunter Zehntausende in Deutschland. Gegenüber 2005 immerhin ein Drittel weniger. Hätten die Staaten die WHO-Richtlinien eingehalten, könnten nach Hochrechnungen 178 000 von ihnen noch leben.

Straßenverkehr schlimmster Umweltsünder

Am meisten unter dreckiger Atemluft leiden die Einwohner osteuropäischer Metropolen. Das zeigt eine Karte der EEA. Deutsche Städte stehen vergleichsweise gut da. Wer sich für die genauen Werte interessiert, für den stellt die Agentur eine interaktive mobile App zur Herunterladen bereit.

Keinen Zweifel lassen deren Fachleute daran, dass menschliche Aktivität das Dilemma hauptsächlich verursacht, ob in der Landwirtschaft, in der Industrie oder bei der Energieproduktion. Schlimmster Umweltsünder ist der Straßenverkehr.

City-Maut und drastische Parkgebühren

Um die Situation kurzfristig zu verbessern, schlägt Philipp Rode, einer der weltweit führenden Experten für Stadtentwicklung an der London School of Economics einen radikalen Schnitt vor – den Verzicht auf weiteren Straßenbau. So würden relativ große Budgets für den Ausbau von Bus, Bahnen und Radwegen frei. Und er fordert weitere Schritte: “Die deutschen Städte wären sehr gut beraten, echte Steuerungsinstrumente wie eine City-Maut und dramatisch erhöhte Parkgebühren einzusetzen.”

Von Lungenkrebs bis schwerer Bronchitis

Der EEA-Report listet eine ganze Reihe von Erkrankungen auf, die von einer schlechte Luftqualität ausgelöst werden können: Lungenkrebs, chronische Lungenentzündung, Herzinfarkt und schwere Bronchitis zum Beispiel. Eine jüngste Studie von Forschern der niederländischen Universität in Utrecht erhärtet diesen Befund. Schon geringe Mengen der Luftschadstoffe, so ihre Warnung, könnten das Leben verkürzen.

Mehr: EEA, t-online

Von Dieter Dürand

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