Film, TV und Werbung machen auf Grün

Produzenten und Sender, die staatliches Geld kassieren wollen, müssen seit Jahresbeginn nachweisen, dass sie “ökologisch wirksame Maßnahmen” beim Drehen befolgen und diese bilanzieren. So schreibt es das Filmfördergesetz vor.

Filmklappe Geld nur gegen Nachweis der CO2-Bilanz Foto: kalhh/pixabay

Wenn Regisseur Johan von Mirbach das elektrisch unterstützte Lastenrad beschleunigt, in dem vorne Kameramann Frank Kranstedt hockt, die Kamera locker geschultert, zieht das Duo automatisch die Blicke auf sich. Gewöhnlich setzt die Welt des bewegten Bildes solche Kamerafahrten per Auto in Szene, etwa bei rasanten Verfolgungsjagden.

Kamerafahrt aus dem Lastenrad

Doch weil die Crew um Produzent Valentin Thurn der Kölner Filmproduktionsfirma ThurnFilm eine Dokumentation über die Frage dreht: “Wie gelingt die Verkehrswende?”, mit Schwerpunkt auf dem Zweirad, hätte sie den üblichen Rückgriff aufs vierrädrige Gefährt unpassend gefunden. Die Idee, ein Lastenrad einzusetzen, war geboren. Und findet in der Branche immer mehr Nachahmer. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) unterhält bereits einen kleinen Fuhrpark dafür.

Kameramann Frank Kranstedt, Regisseur Johan von Mirbach, Tonmeister Ralph Gromann (v.l.n.r.) beim Dreh in Kopenhagen Lastenrad statt Auto Foto: Thurnfilm

Neben dem ökologischen hebt Kameramann Kranstedt im Interview mit einem gewerkschaftlichen Medienmagazin einen ganz praktischen Vorteil hervor. “Sonst verbringt man beim Drehen in Großstädten die Hälfte des Tages mit Stau und Parkplatzsorgen.”

Vage Kriterien und Standards

Die Rheinländer ergriffen noch mit anderen Vorreitern wie den Berliner Werbefilmern von Pineroot, die sich erklärtermaßen für Umwelt, ökologisches Wirtschaften und Gemeinwohl engagieren, von sich aus die Initiative. Doch das seit dem 1. Januar dieses Jahres gültige Filmfördergesetz ( FFG) zwingt eine ganze Branche zu mehr nachhaltiger Praxis und Klimaschutz. Zumindest wenn sie von den staatlichen Fleischtöpfen profitieren will.

Bei Kriterien und Standards bleibt das Gesetz – wie in vielen Klimapläne der Regierenden – bisher mehr oder weniger vage. Es schreibt lediglich vor, dass “wirksame Maßnahmen zur Förderung der ökologischen Nachhaltigkeit getroffen werden müssen”. Und verlangt den Nachweis einer CO2-Bilanz.

Emissionsarme Pkw-Flotte

In welche Richtung das grüne Drehbuch führt, lässt der Arbeitskreis “Green Shooting” der baden-württembergischen Filmförderung (MFG) erkennen. Unter dem Etikett “Green Motion” stellte er im vergangenen Oktober Mindeststandards vor, die alle Produktionen einzuhalten haben, die Fördergelder beantragen. Auch die Großen der Branche wie Bavaria Fiction, UFA, ZDF, RTL, ja sogar der Streamingdienst Netflix sind daran gebunden.

Das Label enthält für Reisen und Logistik, wo besonders viel Klimaschaden angerichtet wird, zwei Muss-Vorgaben: Flüge sind nur erlaubt, wenn der Drehort mit der Bahn nicht innerhalb von fünf Stunden zu erreichen ist. Und mindestens 30 Prozent der eingesetzten Pkw-Flotte soll aus emissionsarmen Fahrzeugen bestehen. Der Anteil soll sukzessive auf 50 Prozent steigen.

Vegetarisches Catering

Zu den Soll-Kriterien gehört der Einsatz sauberer Lkw, alternativer Stromaggregate statt Diesel sowie Kilowatt sparender LED-Beleuchtung. Sogar ein neues Berufsbild haben die verschärften Auflagen hervor gebracht: den Green Consultant.

Auch im Ausland finden sich mehr und mehr ökobewegte Produzenten. So hat das Pariser Unternehmen Futurikon bei der Herstellung seines erfolgreichen Animationsstreifens und Videospiels “Minuscule” (siehe Video unten) streng darauf geachtet, diese möglichst Ressourcen schonend zu produzieren – bis hin zu vegetarischem Catering.

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Einen ganz eigenen radikalen Weg schlägt der Berliner Produzent Marc Tort Bielefeld mit seinem Label “SpatzInDerHand.de” ein. Er dreht nicht selbst, sondern schneidet seine Filme aus vorhandenem Material: Archivaufnahmen, Logodateien oder Fotos. Seine Autraggeber bittet er, ihm mit dem Smartphone selbst gedrehte Sequenzen zu schicken. Zu seinen Kunden gehört zum Beispiel die Klimaschutzorganisation Fridays For Future.

Ganz problemos ist aber auch dieser Ansatz nicht, räumt Bielefeld ein. So fressen die Datenbank-Server, auf denen die Stock-Anbieter ihr gesammeltes Material verwalten, Unmengen Energie. Welche Mengen darunter schmutziger fossiler Herkunft sind, sei leider schwer zu durchschauen, klagt Bielefeld.

Mehr: mmm

Von Dieter Dürand

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