Klimakatastrophe? Fliegen ist geil

Ist was? Fluten reißen Häuser und Menschen weg, Feuerbrünste vernichten Landstriche und Existenzen. Anlass zum Umdenken etwa beim klimaschädlichen Mobilitätsverhalten? Offenbar nicht, zeigt eine aktuelle Fraunhofer-Studie.

Düsenjet im Anflug Die Lust aufs Fliegen steigt Foto: Bild von Lars_Nissen auf Pixabay

Homeoffice, Reisewarnungen, Ansteckungsgefahr – es war die Corona-Pandemie, die eine Zeit lang viele Bundesbürger dazu brachte, seltener ins Auto oder Flugzeug zu steigen. Weniger Verkehr hieß weniger CO2-Ausstoß – ein Gewinn für den Kampf gegen die Erderhitzung.

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Doch der spielt im künftigen Mobilitätsverhalten der Deutschen, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. Mit dem Abebben der Corona-Pandemie kehrt die Mehrheit zu alten Mustern zurück. Das legen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Karlsruher Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) nahe. “Die große Mobiliätsrevolution ist ausgeblieben”, bilanziert Projektleiter Johannes Schuler nüchtern. “Das ist kein gutes Zeichen.”

Mobilität macht einfach glücklich

Besonders deutlich zeigt sich die Ignoranz gegenüber den nicht mehr zu übersehenden Klimagefahren beim Freizeitverhalten. Noch im August der vergangenen Jahres gaben fast 30 Prozent der Befragten an, künftig seltener fliegen zu wollen. Inzwischen jedoch ist der Drang nach Urlaub und Abenteuer wieder übermächtig geworden. Aktuell hat sich der Trend umgekehrt: Die Lust aufs Fliegen wächst wieder.

Und nicht nur die. Unabhängig vom Verkehrsmittel wollen 38 Prozent der Deutschen wieder mehr unterwegs sein als 2020. Schuler liefert die Erklärung gleich mit. Ebenfalls 38 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass “Mobilität sie einfach glücklich macht”.

Deutsche tun so als gäbe es die Erde drei Mal

Ein gut nachvollziehbares Gefühl. Das Problem nur: Es steht im Widerspruch nicht nur zur Klimarettung, sondern generell zur Regenerationsfähigkeit unseres Planeten. Ende Juli, also vor wenigen Tagen, war der Tag erreicht, an dem die Menschheit der Erde mehr natürliche Ressourcen entrissen hat als diese in einem Jahr ersetzen kann. Hier zu Lande war der Erdüberlastungstag schon im Mai erreicht, errechnet die Umweltorganisation Germanwatch. Ihr Sprecher Steffen Vogel warnt: “Wenn alle Länder so wirtschaften würden wie Deutschland, bräuchten wir nicht einen, sondern knapp drei Planeten.”

Immer billiger ist ein Auslaufmodell

Nicht nur beim Verkehr versündigen sich die Deutschen gegen das Klima. Auch ihr unbändiger Wunsch nach immer mehr Wohnraum setzt die Natur unter Stress. Im globalen Vergleich sind die wohnbedingten CO2-Emissionen pro Kopf einer Studie der DZ-Bank zufolge nur in Belgien noch höher.

Für den Siegener Ökonom und Wachstumskritiker Nico Paech führt kein Weg daran vorbei, unsere materiellen Ansprüche drastisch zu reduzieren. “Anders kann die menschliche Zivilisation nicht überleben.” Flankenschutz erfährt er aus dem konservativen Lager. CSU-Entwicklungsminister Gerhard Müller geißelt den ungezügelten Verbrauch natürlicher Ressoucen mit klaren Worten: “Wir brauchen ein entschiedenes Umdenken bei unserem Konsum. Immer mehr, immer billiger ist ein Auslaufmodell.”

Mehr: Next Mobility Tagesschau

Von Dieter Dürand

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