Kreuzfahrtschiffe zerstören die Umwelt jetzt ein bisschen weniger

Mehr und mehr Kreuzfahrtschiffe erhalten saubere Zusatzantriebe. Doch die Klimabilanz bleibt dürftig. Umweltschützer fordern mehr Tempo bei der Umrüstung.

Die Reederei Hurtigruten setzt auf Hybrid-Antriebe für ihre Kreuzfahrtschiffe
Expedition in einem Fjörd vor Norwegen Hurtigruten rüstet Kreuzfahrtschiffe zusätzlich mit Elektroantrieb aus
Bild: Robert Cranna/Hurtigruten

Die MS Richard With machte Ende September dieses Jahres den Anfang. Aufgerüstet mit sauberer Dieseltechnik, Stickoxid-Filter und einem zusätzlichen Elektroantrieb stach sie erstmals nach ihrer Modernisierung vor Norwegen in See. Nach ihrem Vorbild will die zur Hurtigruten-Gruppe gehörende Hurtigruten Norway bis Ende 2023 alle ihre sieben Küsten-Kreuzfahrtschiffe umweltverträglicher umbauen.

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Kreuzfahrtschiffe mit Filtern und Batterien ausgestattet

Unternehmenschefin Hedda Felin sparte bei der Premiere nicht mit Eigenlob. “Ein grünes Unternehmen werden zu wollen bedeutet, in Anstrengungen mit nachweisbaren Effekten zu investieren”, hob sie hervor. Konkret heißt das: Die CO2-Emissionen der Flotte sollen um ein Viertel sinken; die der Stickstoffoxide sogar um 80 Prozent. Gut für Norwegens einzigartige Fjörde-Landschaft. Doch an vielen anderen populären Kreuzfahrtrouten lässt die Entlastung von Natur und Klima weiter auf sich warten.

Besonders dreckig geht es auf Palma de Mallorca zu

Beispiel Balearen: Mit 370 Schiffsanläufen und einer Million Passagiere in den ersten neun Monaten dieses Jahres ist Palma de Mallorca einer der wichtigsten Kreuzfahrthäfen im Mittelmeer. Allein in diesem Jahr haben die Schiffe nach Berechnungen örtlicher Umweltschützer jedoch bereits 38 500 Tonnen CO2 freigesetzt, 890 Tonnen Stickstoff- und 635 Tonnen Schwefeldioxid. Besserung ist nicht in Sicht. Die deutsche Umweltorganisation Nabu übt heftige Kritik an dem Zustand. Selbst die im Nabu-Kreuzfahrtranking bestplatzierte Reederei, Hurtigruten aus Norwegen, erreiche bei den notwendigen Umwelt- und Klimamaßnahmen gerade mal die Hälfte der maximalen Punktzahl. Es gebe zwar durchaus Positiv-Beispiele, konzidieren die Naturschützer. Die Entwicklung schreite aber viel zu langsam voran.

Branche verspricht erste klimaneutrale Schiffe spätestens 2030

Der internationale Kreuzfahrtverband CLIA weist die Vorwürfe zurück. Die Kreuzfahrtunternehmen hätten in den vergangenen Jahren verschiedene saubere Technologien weiterentwickelt, hält die Organisation dagegen. Dadurch sei die Branche zum Vorreiter und Innovationstreiber für die gesamte Schifffahrt geworden. Zwar gebe es bisher noch keine wirklich klimaneutrale Antriebsart. Derzeit sei Flüssigerdgas (LNG) die am wenigsten schädliche Alternative. Doch die Entwicklung grünen Wasserstoffs, von E-Treibstoffen und reinen Stromantrieben mache große Fortschritte. Das Versprechen des CLIA: Bis 2030 sollen die ersten Schiffe klimaneutral fahren, bis 2050 die gesamte Kreuzfahrtflotte.

Freiwillige Vorreiter erleiden Wettbewerbsnachteile

Derzeit verbrennt die Mehrheit der Schiffe Schweröl. Dessen Umweltbilanz ist geradezu katastrophal. Immerhin werden Neubauten mittlerweile standardmäßig mit einem System zur Abgasnachbehandlung ausgerüstet. Das senkt die Emissionen deutlich. Freiwillige Maßnahmen sind zwar gut fürs Image. Doch sie bescheren den Reedereien ein Problem: Ein neues Kreuzfahrtschiff kostet ohnehin schon mehrere hundert Millionen Euro. Die Einsatzzeit liegt bei weit mehr als 20 Jahren. Stopfen die Reedereien ihre Flotten mit teurer Saubertechnik voll, entstehen ihnen erhebliche Mehrkosten. Sind die Kunden nicht bereit, höhere Preise fürs gute Gewissen zu akzeptieren, haben die Anbieter Wettbewerbsnachteile.

Wenigstens im Hafen soll der Schiffsdiesel ausbleiben

Um solche Verzerrungen zu vermeiden, plädieren Umweltschützer für eine staatliche Regulierung. Vorbild könnten die Gewässer um Norwegen und der Antarktis sein. Sie sind für Kreuzfahrtschiffe mit Schwerölantrieb inzwischen gesperrt, um Fauna und Flora zu schonen. Damit die Aggregate zumindest in europäischen Seehäfen zunehmend weniger die Luft verpesten, hat die EU alle wichtigen Kreuzfahrthäfen verpflichtet, bis 2030 die für Landstromversorgung notwendige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Bisher haben allerdings erst 29 der rund 1000 Destinationen ihre Kais mit solchen Steckern ausgerüstet. Bei den Schiffen selbst sieht es besser aus. 40 Prozent haben bereits Anschlüsse fürs Stromnetz. Der Anteil soll in den nächsten fünf Jahren auf 70 Prozent klettern.

Mehr: Hurtigruten DW

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