Mehr Grün, weniger Verbrechen

US-Wissenschaftler stoßen auf verblüffenden Zusammenhang: In Stadvierteln mit vielen Grünflächen passieren seltener Verbrechen wie Diebstahl und Raub.

Wo Fußgänger und Radfahrer in Parks ihren Stress abbauen können, passieren seltener Verbrechen
Herbstlicher Parkweg Viel Grün reduziert Aggressionen, die Verbrechen begünstigen
Bild: S.Hermann/F.Richter auf Pixabay

Dass Parks, Dachgärten und kommunale Farmen Städtern gegen Luftverschmutzung, Hitze und Dauerstress helfen und die Gesundheit fördern, ist inzwischen Allgemeingut. Jetzt aber liefert eine Studie von vier US- und einem britischen Forscher Bürgermeistern und städtischen Planern ein weiteres Argument, kräftig in Grünflächen zu investieren. Denn die Gelehrten fanden heraus: In Quartieren mit einem hohen Grün-Anteil, sinkt die Kriminalitätsrate merklich. Die Bewohner fallen statistisch signifikant seltener Verbrechen zum Opfer. Das gilt sowohl für Eigentumsdelikte wie Einbruch, Diebstahl und Autoklau als auch für Gewalttaten wie Mord, Totschlag, Körperverletzung und Raub.

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Warum Vogelgezwitscher Verbrechen vorbeugt

301 Großstädte quer durch die USA gingen in die Studie ein. Nur wenige Metropolen wie Detroit und Chicago fielen aus dem Raster. Und Kriminalitätsvorbeugung ist nur ein Aspekt. Marco Helbich, Forscher an der niederländischen Universität Utrecht kommt in einer älteren Untersuchung zu dem Schluss, dass großzügige grüne urbane Räume auch die Gefahr reduzieren, dass Menschen depressiv werden oder sogar Selbstmord begehen.

Was aber bewirkt die positiven Effekte?

Die Erklärung des US-Autoren geht so: Die Nähe zur Natur stärkt die seelische Gesundheit der Stadtteilbewohner. Vegetation und Vogelgezwitscher bauen Stress und Aggressionen ab – klassische Vorläufer vor allem von Gewalttaten. Wer durch Parks streift, Enten füttert und auf der Bank Mitbürger beobachtet, baut kognitive Müdigkeit ab, wird achtsamer, erlebt Glücksgefühle und fördert sein soziales Verhalten.

Nicht im Gebüsch, in den eigenen vier Wänden lauert das Böse

Spontan mag manchem die Korrelation zwischen viel Grün und weniger Verbrechen unglaubwürdig vorkommen. Wer fleißig Krimis oder die Verbrechersuche via Aktenzeichen XY guckt, hat doch eher das Bild vor Augen, dass die Schurken ihre Opfer vor allem im Gebüsch dunkler Parks auflauern – nächtliche Joggerinnen oder Spaziergänger zum Beispiel.

Manfred Rolfes, Potsdamer Professor für Angewandte Humangeogrphie, hält das für eine typische verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit. Solche Delikte erhielten zwar große mediale Aufmerksamkeit. De facto jedoch passierten die weitaus meisten Vergehen in den eigenen vier Wänden. “Das sind die eigentlich gefährlichen Orte.” Also bitte mehr Grün in die Stadt.

Mehr: sciencedirect mdr

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