Reiche ruinieren mit ihren Privatjets das Klima

Gedankenlosigkeit oder eine Nach-mir-die-Sintflut-Haltung? Weltweit protestieren Klimaaktivisten gegen Flüge in Privatjets – auch zur Klimakonferenz in Ägypten.

Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol protestieren Klimaschützer gegen die Nutzung von Privatjets
Klimaaktivisten hindern Privatjets am Abheben auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol Rücksichtloser Lebensstil
Bild: Marten van Dijl/Greenpeace

Die Liste der prominenten Sünder ist lang, die sich nach Recherchen von Klimaschützern und Medien exzessiv in Privatjets fortbewegen. Die Influencerin Kim Kardashian steht ebenso darauf wie Starregisseur Steven Spielberg, US-Talkerin Oprah Winfrey, Tesla-Gründer und Neu-Twitter-Eigentümer Elon Musk oder die Hitparaden-Stürmerin Taylor Swift.

Vom britischen Alt-Popstar Elton John brachte “Bild” die Geschichte in Umlauf, dass er nach seinen jüngsten Deutschland-Konzerten im privaten Flieger zurück nach Nizza flog, um vor dem nächsten Auftritt in vertrauter Umgebung sein Haupt zu betten. Auch der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz zog sich für seine Anreise zur Hochzeit von FDP-Chef Christian Lindner auf Sylt im Privatjet erboste Rüffel besorgter Klimaaktivisten zu.

Privatjets hinterlassen einen riesigen CO2-Fußabdruck

Was die Protestler antreibt, ist der riesige CO2-Fußabdruck, den die Privatflieger hinterlassen. Einer Studie der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) zufolge sind die Treibhausgas-Emissionen dieses Sektors von 2005 bis 2019 mit einer Zunahme von 31 Prozent weit schneller gestiegen als die des Linienflugverkehrs. Bei einem vierstündigen Flug im eigenen Jet gelange so viel CO2 in die Atmosphäre wie ein durchschnittlicher Europäer im ganzen Jahr frei setzt, so die Experten.

“Mit einem Privatjet rumzufliegen, ist vermutlich das Umweltschädlichste, das man tun kann”

Andrew Murphy, Direktor Luftfahrt T&E

Andrew Murphy, Direktor Luftfahrt bei T&E, hält das für einen handfesten Skandal. “Mit einem Privatjet rumzufliefen, ist vermutlich das Umweltschädlichste, das man tun kann. Und doch fliegen superreiche Umweltverschmutzer umher, als gäbe es keine Klimakrise.”

Verzichten wenigstens die Delegierten, die an der gegenwärtig in Ägypten stattfindenden Weltklimakonferenz (COP 27) teilnehmen, auf die Anreise in Privatflugzeugen? Besorgt wie sie um die Erderhitzung sind. Beim Treffen vor einem Jahr in Glasgow hatte es Kritik gehagelt, dass Milliardäre und Politiker zu Hunderten im Privatjet anreisten.

Delegationen reisen in Privatfliegern zur Klimakonferenz

Bewirkt hat der Aufschrei anscheinend wenig. Die britische BBC berichtet, dass allein zwischen dem 4. und 6. November weit mehr als 100 Privatjets Scharm el-Scheich ansteuerten – von mehr als 40 Flughäfen in aller Welt. Nach Berechnungen von Experten des Department for Business, Energy and Industrial Strategy (BEIS) stößt etwa ein mit 15 Passagieren besetzter Gulfstream G650 bei der Anreise aus Amsterdam gut 45 Tonnen CO2 aus. Macht pro Fluggast rund drei Tonnen. Eine irre Menge.

Klimaaktivisten hindern weltweit Privatjets zeitweise am Abheben

Klimaaktivisten von Greenpeace, Extinction Rebellion und Guardian Rebellion haben so viel Ignoranz wohl schon erahnt. In einer koordinierten Aktion stürmten sie jüngst weltweit 13 Flughäfen, darunter Mailand, Amsterdam und London, und blockierten zeitweise das Abheben von Privatjets.

Am King County Airport in Seattle im US-Bundesstaat Washington nahm William Livernois, Forscher an der Universität Washington, sogar das Risiko in Kauf, verhaftet zu werden. “Der Planet steht in Flammen und dennoch heben Leute in Privatjets ab” entrüstet er sich. “Wir fordern ein Verbot.”

Frankreichs reichster Mann verkaufte seine Maschine

Zumindest Frankreichs reichster Mann, der Unternehmer Bernard Arnault, dessen Vermögen sich auf mehr als hundert Milliarden Euro belaufen soll, hat es satt gehabt, ständig als Klimasünder am öffentlichen Pranger zu stehen. Anders als andere stinkreiche Landsleute hat der Herr über Luxusmarken wie Louis Vitton, Tiffany und Dior seinen Privatjet mittlerweile verkauft. Aus dem Visier der Umweltaktivisten ist er damit nicht. Sie drängen ihn, auch seine Megayacht namens “Symphony” aufzugeben. Sie soll allein im September auf Touren 470 000 Liter Diesel geschluckt haben.

Mehr: rnd transportenvironment.org bbc nbcnews

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