So macht sich Deutschland von Putins Öl und Gas unabhängiger

Verzicht beim Heizen, langsamer fahren, keine Inlandsflüge: Allein diese Maßnahmen würden die Abhängigkeit merklich mindern. Doch Vorschriften und Gewohnheiten stehen dagegen.

Auf der Autobahn Rasen für Putin (Foto: Sponchia/Pixabay)

Jedes Grad Temperatur weniger in Wohnungen und Büros würde sechs bis sieben Prozent Gasverbrauch einsparen. Laut Internationaler Energieagentur liegt die durchschnittliche Temperatur in den Gebäuden Europas bei über 22 Grad Celsius. Das bedeutet: Eine Absenkung auf gesunde 19 Grad würde den Gasverbrauch für die Heizung um 20 Prozent vermindern.

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Die Beheizung von Büros und Wohnungen macht etwa die Hälfte des Gesamtverbrauches an Gas aus. Russische Importe decken etwa 55 Prozent des Gasbezugs. Der Dreh am Thermostat könnte somit den Bedarf an Gas aus russischen Quellen etwa um ein Fünftel reduzieren.

Vorschriften helfen Wladimir Putin

Doch dem steht das deutsche Mietrecht entgegen. Es schreibt vor, dass in Wohnungen Temperaturen von 20 bis 22 Grad nicht unterschritten werden dürfen. Schon lange gibt es Überlegungen, Energiesparen durch Tarifgestaltung zu belohnen. Wer weniger verbraucht, soll auch pro Kilowattstunde verheizter Energie weniger zahlen. Andere Modelle fixieren günstige Preise für den Grund- und hohe für den Luxusbedarf. Wer trotzdem den Heizregler auf 23 Grad hoch dreht, muss halt kräftig zahlen.

Wenig Vorschläge gibt es hingegen zum Gasverbrauchs der Industrie. Der machte 2020 in Deutschland immerhin 36 Prozent aus. Der jüngste Entwurf des Erneuerbaren-Energien-Gesetz sieht zwar vor, dass Gas in der Stromerzeugung ab 2035 fast gänzlich durch Windkraft oder Photovoltaik ersetzt wird. Für die Industrie gibt es jedoch kein Ausstiegszenario. Es fehlen darüber hinaus Daten, welche Branchen wie viel Gas aus welchen Importquellen nutzen.

Auch Rasen hilft dem Aggressor

Einfach hingegen sind Einsparungen im Verkehr, also bei Erdölprodukten, zu erzielen. Gut ein Drittel der deutschen Erdöleinfuhren stammen aus Russland. Etwa 70 Prozent gehen davon gehen in den Verbrauch von Autos, Lastern, Schiffen und Flugzeugen. Laut Deutscher Umwelthilfe würde ein Tempolimit von 100 Stundenkilometern 3,7 Millionen Tonnen Kraftstoff einsparen – immerhin zehn Prozent des Gesamtverbrauchs. Ein solches Tempolimit würde den Verkehr kaum verlangsamen. Denn bei Geschwindigkeiten zwischen 80 und 100 Stundenkilometern haben Straßen die größte Aufnahme-Kapazität. Zumutbar ist ein solches Tempolimit allemal: In etlichen US-Staaten sind seit eh und je nur Höchstgeschwindigkeiten von 65 Meilen pro Stunde erlaubt.

Im Flugverkehr könnten Kurzstreckenflüge weitgehend verboten werden. Nach Untersuchungen von Greenpeace decken die russischen Ölimporte etwa ein Viertel des Bedarfes der Luftfahrt. Ölimporte in Höhe von rund zwei Milliarden Euro würden damit überflüssig. Der Wegfall von Kurzflügen wäre politisch einfach durchzusetzen: Fast zwei Drittel der Bevölkerung befürworten ein solches Verbot.

Mehr: Correctiv

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