Wie gefährlich ist das Methan aus den Nord-Stream-Lecks?

Nach Einschätzung des Bundesumweltamtes führen die Lecks in den Nord-Stream-Pipelines zu Emissionen von rund 7,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Das entspreche in etwa einem Prozent des Jahresausstoßes in Deutschland.

Sprudelnde Ostsee Sabotage an Nord-Stream-Pipelines schadet dem Klima (Foto: Danish Defence Command)

Durch den Anschlag auf die beiden Nord-Stream-Gaspipelines südlich der dänischen Insel Bornholm gelangen rund 300 000 Tonnen Methan in die Atmosphäre. Methan ist jedoch wesentlich klimaschädlicher als CO2. Eine Tonne Methan erwärmt, bezogen auf hundert Jahre, die Atmosphäre ebenso stark wie 25 Tonnen CO2. Unklar ist allerdings wie viel von dem entweichenden Methan vom Meereswasser absorbiert wird.

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Das Bundesumweltamt geht bei seinen Berechnungen davon aus, dass der gesamte Inhalt der Röhren nach und nach entweichen wird. Grundlage der Berechnung ist die Länge der Röhren von 1250 Kilometern bei einem Durchmesser von 1,1 Metern, ein Druck von 100 bar. Drei von den vier Röhren sind beschädigt. Die schwedische Küstenwache unterstrich, dass das Gas weder eingefangen noch bekämpft werden könne.

Kriegsschiffe vor Ort

Auch eine Inspektion der Pipelines kann, so der dänische Verteidigungsminister Morton Bodskov, frühestens in zwei Wochen stattfinden. Bedingung für Untersuchungen am Ort sei eine Verringerung des Drucks in den Leitungen und eine Verminderung des entweichenden Gases. Das dänische Verteidigungsministerium teilte jedoch mit, dass die Fregate Absalon und das Umweltkontrollschiff Gunnar Thorson Beobachtungen anstellten. Zusätzlich seien Hubschrauber der dänischen Armee im Einsatz. Vermutlich befinden sich die Lecks in dänischen Hoheitsgewässern. In diesem Fall müsste Dänemark die Emissionen in seiner Klimaberichterstattung berücksichtigen.

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Nord-Stream-Sabotage Entweichendes Methan geht auf die Klimabilanz (Quelle: euronews)

Nach Meinung des Bundesgeschäftsführers der Deutschen Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner, hat das austretende Methangas einen gigantischen Effekt auf die Klimabilanz: “Die Lecks sind ein Superemitter-Event von unvorstellbarem Ausmaß.” Die Betreiber der Pipelines und die deutschen Aufsichtsbehörden müssten das Gas aus allen beschädigten Röhren unverzüglich abpumpen.

Waren es die Russen?

Die Lecks waren Anfang der Woche nach Druckabfällen entdeckt worden. Ein Leck befindet sich an einer der Röhren von Nord Stream 2, zwei weitere an den Röhren von Nord Stream1. Wer den Sabotageakt begangen hat, bleibt unklar. Der Terrorexperte Peter Neumann äußerte in der Nachrichtensendung Tagesthemen die Vermutung, dass ein Staat die Anschläge begangen habe. Eine Terrorgruppe sei dazu kaum in der Lage: “Es ist eine Operation, die ziemlich viel Sachverstand, Expertise und Vorbereitung gehabt hat.” Unsicher war sich der Experte jedoch, ob Russland hinter den Explosionen stecken könne. Russland wolle schließlich Gas verkaufen. Für die Beteiligung Russlands spreche aber, dass der Anschlag zu einer generellen Verunsicherung in Europa führe. Letzteres sei durchaus im Interesse Russlands.

Oder die Amerikaner?

Die russische Regierung macht hingegen geltend, dass die Schäden für Russland ein großes Problem seien. Es sei daher “dumm und absurd”, solche Vermutungen anzustellen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Zunehmend kursieren im Netz auch Vermutungen über eine mögliche Urheberschaft der Vereinigten Staaten. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums verwies auf Äußerungen von US-Präsident Biden vor Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Biden hatte gesagt, im Falle eines russischen Einfalls in die Ukraine werde man Nord Stream 2 ein Ende bereiten. US-Päsident Joe Biden bezeichnete Spekulationen dieser Art als “lächerlich”. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Adrienne Watson, meinte dazu, Russland habe eine lange Geschichte bezüglich der Verbreitung von Falschinformationen.

Mehr: Tagesthemen

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