Wird Strom zum Luxus?

Der langfristige Preis für Strom steigt auf Rekordhöhen. Vor allem die teurer gewordenen Treibhausgaszertifikate treiben ihn. Was das für Verbraucher bedeutet.

Handelsraum der Leipziger Strombörse EEX Die CO2-Bepreisung zeigt Wirkung Foto: EEX

Nirgendwo in Europa zahlen private Stromkunden mehr für die Kilowattstunde (kWh) als in Deutschland. Im Durchschnitt waren es vergangenes Jahr 30,43 Cent – beinahe zehn Cent mehr als im europäischen Durchschnitt (siehe Grafik unten).

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Es wird nicht billiger werden – im Gegenteil. Händler, die sich an der Leipziger Strombörse EEX heute schon Liefermengen für das nächste Jahr sichern, müssen dafür aktuell rund 61 Euro je Megawattstunde überweisen – teurer war es nach Angaben von Carlos Perez Linkenheil vom Berliner Beratungsunternehmen Energy Brainpool nie. Anfang des Jahres lag der Preis noch bei 50 Euro.

Energieversorger halten sich mit Tariferhöhungen noch zurück

Für Linkenheil ist klar, worauf der Anstieg zurückzuführen ist. Fast parallel schoss der Handelspreis für ein Zertifikat, das den Ausstoß von einer Tonne CO2 erlaubt, auf 50 Euro, rund das Doppelte des Durchschnitts im vergangenen Jahr. “Da sieht man eine starke Überschneidung”, äußert der Experte.

Marktkenner identifizieren maßgeblich Hedgefonds als Preistreiber. Die Finanzhasardeure kaufen derzeit in großem Stil Zertifikate auf in der Erwartung, sie in einiger Zeit zu viel höheren Preisen wieder verkaufen zu können.

Noch haben die Energieversorger nach Beobachtungen des Vergleichsportals Verivox auf den Anstieg der Großhandelspreise nicht reagiert. Laut Verivox-Experte Thorsten Stock ist das aber nur eine Frage der Zeit. “Alles deutet auf einen Aufwärtstrend hin.”

Elektrifizierung von Verkehr und Industrie puscht die Stromnachfrage

Dafür sprechen weitere Entwicklungen. Unionsfraktionsvize Andreas Jung (CDU) etwa hat gerade erst vorgeschlagen, den CO2-Preis schon kommendes Jahr auf 45 Euro je Tonne statt der vorgesehenen 30 Euro anzuheben, damit Deutschland seine Klimaziele erreicht. Und die Elektrifizierung des Verkehrs und vieler Industrieprozesse wird die Stromnachfrage massiv beschleunigen. Allein die Umstellung etlicher Großanlagen in Ludwigshafen auf elektrischen Betrieb wird den Strombedarf des Chemieriesen BASF bis 2035 auf 20 Terawattstunden mindestens verdreifachen, so der Konzern.

Elektrizitätspreise Deutsche zahlen am meisten Quelle: Strom-Report

Mehr: Stuttgarter Nachrichten

2 Kommentare

  1. wohin soll das noch führen? sollen wir nun die generation sein, für die strom zum luxusgut wird, das man sich ja einteilen müssen und verzicht üben sollte, um kosten zu sparen, damit die energie wende klappt und wir ins 30 jahren dann wieder günstig strom in masse haben, von dem dann die enkel profitieren ? sorry aber die zeche zu bezahlen, steht nicht auf meiner agenda

  2. Hallo!
    Da gibt es zwei Artikel zur Strompreis-Entwicklung. Einer spricht von sinkenden Preisen, der andere von deutlich steigenden Preisen. Was soll man als Endverbraucher nun glauben? Wie die NL-ler es schaffen Strom zum halben Preis der Kosten in D zu liefern, wäre mal interessant zu wissen.
    Die steigende Stromnachfrage z.B. durch Prozessumstellungen bei BASF ist irrelevant, da BASF ja im Verbund mit RWE diesen Strom im eigenen Windpark produzieren will, ergo den allg. Markt umgeht.
    Ebenso irreführend sind Bezüge zum Stromverbrauch der DB, da dieser Strom nur zu sehr geringen Teilen aus dem öffentlichen Netz bezogen wird. Thema Netzfrequenz 50/19 kHz!

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