Ein halbes Grad Celsius weniger Erderhitzung bringen die neuen Klimazusagen – wenn ihnen Taten folgen

Angestachelt vom neuen Klimaschutz-Primus Joe Biden sagten 40 Staatenlenker jüngst auf einem virtuellen Klimagipfel eine stärkere Reduktion von Treibhausgasen zu. Das Analyseprojekt Climate Action Tracker hat die Ankündigungen in Zahlen umgerechnet.

Wer bietet mehr? Zusagen zur Reduzierung von Treibhausgasen beim virtuellen Klimagipfel Quelle: Climate Action Tracker

Gastgeber Biden ließ sich nicht lumpen. Für die USA, global zweitgrößter Emittent von Treibhausgasen, kündigte der Präsident an, den Ausstoß im Vergleich zum Jahr 2005 bis 2030 um 50 bis 52 Prozent senken zu wollen. Das entspricht fast zwei Gigatonnen CO2-Äquivalenten. Es ist das mit Abstand ehrgeizigste Reduktionsziel (siehe Grafik oben). Allerdings haben die USA nach dem Klimaschutzboykott durch Bidens Vorgänger Donald Trump auch einiges gutzumachen.

Chinesen machen nur dürftige Zugeständnisse

Gemessen an Bidens Ziel verblassen die Versprechungen anderer großer Emittenten wie Japan, Kanada und des Vereinigte Königreichs fast. Am stärksten fallen noch die neuen Zusagen der 27 EU-Staaten ins Gewicht. Allerdings haben diese Länder in der Vergangenheit schon ordentlich vorgelegt.

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Dürftig fiel das Zugeständnis der Chinesen aus, die weltweit die meisten Treibhausgase frei setzen. Die Experten des Climate Change Trackers (CAT) loben immerhin, dass die Pekinger Führung erstmals einen Zeitpunkt genannt hat, an dem die Kohleverstromung ihren Höhepunkt erreicht haben soll: das Jahr 2025. Das sei ein bedeutender Meilenstein, schreiben sie in ihrem Report.

Rechtspopulist Bolsonaro verwässert Brasiliens Klimaziele

Zu den Enttäuschungen gehören gewichtige Emittenten wie Russland, Südkorea und Mexiko, die keine verstärkten Klimaschutzambitionen erkennen ließen. Australien erneuerte zwar sein Ziel, ein Null-Emissionsland zu werden, macht den Zeitpunkt jedoch von technologischen Entwicklungen etwa im Energiesektor abhängig. Brasiliens rechtspopulistischer Präsident Jair Bolsonaro verwässerte bestehende Zusagen sogar und verschlechterte so die Bilanz der virtuellen Klimagipfels.

Ungeklärt blieb weiterhin die Frage, was die Entwicklungsländer im Kampf gegen die Erderhitzung beitragen können. Bei allen denkbaren Maßnahmen ist der globale Süden aber auf finanzielle Unterstützung des reichen Nordens angewiesen. Denn die Kombination von Covid-19-Folgen und Klimaschutzlasten bürdet den armen Nationen eine wachsende Schuldenlast auf.

Talk is cheap – vielfach fehlt die Verbindlichkeit

Ein Schwachpunkt bleibt, dass viele Zusagen bloße Absichtserklärungen sind und unverbindlich bleiben. Das war schon ein Problem beim Abschluss des Pariser Klimaschutzabkommens 2015. Talk is cheap. Welche Taten den Ankündigungen folgen, muss sich erst zeigen.

Aber selbst wenn die Versprechen eingehalten werden, verfehlt die internationale Staatengemeinschaft das 1,5-Grad-Ziel weiter deutlich, das als Kipppunkt für das Weltklima gilt. Auch mit den neuen Zielen kann die Erwärmung nur auf 2,4 Grad Celsius begrenzt werden, haben die CAT-Analysten errechnet (siehe Grafik unten). Zwar ein halbes Grad weniger als vor dem Videogipfel, aber eben immer noch deutlich zu viel, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise wie Dürren, Meeresspiegelanstieg und Extremwetter in beherrschbaren Grenzen zu halten.

Besser als nichts, aber zu wenig Die neuen Ziele dämpfen die Klimaerhitzung immerhin um ein halbes Grad Celsius Grafik: CAT

Von Dieter Dürand

Mehr: ClimateActionTracker

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