Dem Klima zuliebe: Schoko-Eis ohne Schokolade

Münchner Gründer haben ein Eis kreiert, das nach Schokolade schmeckt, aber für das sie auf Kakao verzichten – wegen dessen sozialer und ökologischer Probleme.

Hörnchen mit Schokolade-Eis aus Kakaoersatz
Frei von Kinderarbeit und Waldzerstörung Schokolade-Eis des Münchner Start-ups Planet A Foods
Foto: Planet A Foods

Die Geschwister Sara und Max Marquart wähnen sich, so ihre Selbstdarstellung, auf großer Mission. Sie wollen jedem weiter den fabelhaften Geschmack von Schokolade gönnen, zugleich jedoch Gutes für unseren Planeten tun. Und da sie keinen Weg fanden, die Probleme des Kakaoanbaus – Waldrodung, enormer Wasserverbrauch, Kinderarbeit – zu umgehen, entwickelten sie einen Ersatzstoff namens Nocoa. Seine genaue Zusammensetzung und Herstellung verraten die Geschwister nicht. Sie verwendeten jedoch ausschließlich “natürliche Zutaten” wie Haferspelze und Aprikosenkerne, versichern sie.

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Auf Werbetour für ihre Ersatz-Schokolade

Geschmacklich hat Lebensmittelchemikerin Sara das Aroma Milchschokolade nachempfunden. Da lag es nahe, als erstes mit einem Eis zu testen, wie gut der Kakao-Ersatz bei Liebhabern des Süßen ankommt. Zumal die Lust auf feste Schokolade im Sommer weniger ausgeprägt ist. Gerade ziehen die Marquarts mit ihrer Kreation quer durch Deutschland, um den Marktstart vorzubereiten. Mit einem Abstecher nach Amsterdam.

Geschwister Sara und Max Marquart “Wir passen perfekt in die Zeit” Foto: Planet A Foods

“Wir passen perfekt in die Zeit”, berichtet Bruder Max von einem regen Interesse großer Süßwarenhersteller. Ziehen die Verkäufe wie erhofft an, und steigen Investoren ein, wollen die Gründer von Planet A Foods ihre Geschäftsräume in einem Münchner Hinterhof gegen ein repräsentativeres Quartier tauschen. Die Produktionsanlage steht im fränkischen Fürth. 400 Kilogramm schafft sie in der Stunde.

Und wie sehr entlastet nun das Kakao-Imitat das Klima?

Das kakaofreie Pulver spart mehr als 100 000 Tonnen CO2 ein

Sara Marquardt rechnet es am Beispiel des Schoko-Speiseeises vor. 45 000 Tonnen Kakaopulver würden jährlich benötigt, um die Nachfrage nach der beliebten Sorte zu befriedigen. Mehr als 200 000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) setze die Herstellung frei. Würde stattdessen kakaofreies Pulver von Planet A beigemischt, sinkt die Belastung Sara Marquardt zufolge auf 85 000 Tonnen.

Auch Monokulturen von Mais, Palmfrüchten und Soja sind ökologische Zeitbomben

Die bayrischen Geschwister sind nicht die einzigen, die etwas gegen die Misstände beim Kakaoanbau unternehmen. Die Initiative “Slave Free Chocolate” listet Unternehmen auf, die ausschließlich fair gehandelten Kakao verwenden. Das englische Start-up WNWN, kurz für Win-Win, wirbt ebenfalls für eine kakaofreie Schokolade. Sie besteht vor allem aus Sheabutter, Johannisbrotpulver und gerösteter Gerstenpaste.

Ob Mais, Palmöl oder Soja – der massenhafte Anbau solche Früchte in Monokulturen zulasten wilder Natur steht wegen seiner enormen ökologischen Schäden verstärkt unter Beobachtung. Jüngst erst rief Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron wegen des Kahlschlags im Amazonas-Gebiet zum Boykott brasilianischen Sojas auf. Der Umstieg auf pflanzliche Fleischersatz-Produkte hülfe nicht nur dem Klima. Er könnte auch eine wirksame Waffe gegen den wachsenden Hunger in der Welt sein.

Einst wurde Schokolade nur in Apotheken verkauft

So weit, so richtig. Doch was ersetzt Schokolade, um auf sie zurück zu kommen, als unvergleichlichen Seelentröster und Wohlfühlkräftiger? Nicht zufällig wurde sie lange ausschließlich in Apotheken verkauft – als Medizin. Bestandteile wie Tryptophan und Koffein sollten Glücksgefühle gegen depressive Stimmungen stimulieren. Noch ist unklar, ob die Kakao-Fakes Ähnliches vermögen.

Mehr: planet-a-foods WWF rnd greenmatters

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