Endlich: Gebrauchte Stromer werden billiger – und das deutlich

Gebrauchte Stromer kaufen? Über Jahre war der Markt wie leergefegt. Für die wenigen angebotenen Modelle verlangten die Verkäufer Mondpreise. Das ändert sich. Es wurde auch Zeit.

Renaults Erfolgsmodell Zoe Markt für gebrauchte Stromer entwickelt sich (Renault)
Renaults Erfolgsmodell Zoe Markt für gebrauchte Stromer entwickelt sich (Renault)

In den vergangenen Jahren führte der Markt für gebrauchte Stromer ein Nischendasein. Doch das ändert sich gerade. Eine Million Vollelektriker sind inzwischen auf Deutschlands Straßen unterwegs. Dem ADAC zufolge sanken die Preise für die sogenannten BEVS (battery electric vehicles) innerhalb nur eines Jahres immerhin um rund ein Fünftel. Nicht zuletzt hat sich der Markt auch deshalb entwickelt, weil zunehmend Leasing-Rückläufer angeboten werden. Diese sind meist zwischen zwei und vier Jahre alt, wurden wenig gefahren und sorgfätig behandelt.

Auf die Preise drückt auch die Strategie der Automobil-Konzerne. Tesla läutete eine Runde von Preisabschlägen für das populäre Model 3 und für das Model S ein. Mussten die Käufer in den USA für ein neues Model 3 LR Dual Motor AWD mit 333 Kilometer Reichweite im Sommer vergangenen Jahres noch 57 990 Dollar hinblättern, genügten Ende Oktober dieses Jahres nur 45 990 Dollar. Beim Model S Dual Motor AWD mit einer Reichweite von 405 Kilometer fiel der Preis im gleichen Zeitraum von 104 990 Dollar auf 88 490 Dollar. Andere Hersteller folgten.

Gebrauchte Stromer haben weniger Verschleißteile

Die Preise bei den gebrauchten Stromern folgten ebenfalls. So kostete ein zwei Jahre alter VW ID.3 Pro S im Herbst 2022 in Deutschland im Schnitt 33 100 Euro. Zwölf Monate später reichten den Verkäufern 28 850 Euro. Und beim Hyundai Kona Trend mit 64-Kilowattstunden-Batterie fiel der Preis von 35 050 Euro auf 27 400 Euro.

Laut ADAC liegen die Preise für Gebrauchte inzwischen vielfach schon auf dem Niveau von Verbrennern. Der Automobilclub sieht sogar Vorteile bei Second-Hand-Stromern. Denn es gibt weniger Verschleißteile als bei PKW mit Explosionsmotoren. Der Auspuff kann ebenso wenig kaputt gehen wie der Katalisator verstopfen kann. Auch um Kupplung oder Ventile brauchen sich Stromer-Fahrerinnen keine Gedanken zu machen.

Akkus besser als ihr Ruf

Natürlich gibt es dabei ein großes Aber: die Batterie. Sie ist das teuerste Bautteil im E-Auto und steht laut Bundeswirtschaftsministerium für über 40 Prozent des Gesamtwertes eines Stromvehikels. Für Käufer von gebrauchten Elektroautos ist es folglich ein hohes Risiko, einen Wagen mit angeschlagener Batterie angedreht zu bekommen. Inzwischen bietet der TÜV Rheinland sowie dessen Wettbewerber Aviloo bezahlbare Testverfahren an, die den Gesundheitszustand der Batterie (“State of health” = SOH) zuverlässig dokumentieren.

Vielfach erübrigt sich jedoch eine solche Prüfung. Denn in der Regel halten die Batterien länger als erwartet. Der ADAC hat dies in etlichen Dauertests nachgewiesen. So verfügte die Batterie eines getesteten VW ID.3 nach 100 000 Kilometern noch über 93 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität – weit mehr als die 74 Prozent, die der Hersteller den Kunden garantiert.

Mehr: ADAC Spiegel

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