Energiesparen: Deutschland dreht am Rad

Verdreifachung der Gasrechnung! Frieren im Winter? Bei so viel Bedrohung gibt Wirtschaftsminister Robert Habeck höchstpersönlich beinahe täglich Energiespartipps zum Besten. Doch die, die wirklich viel bringen, bleiben unerwähnt. Eine Polemik.

Brause mit speziellem Duschkopf zum Energiesparen
Die Mutter aller Energiespar-Lösungen Der Sparduschkopf Bild: 955169 auf Pixabay

Natürlich! Das Land der Ingenieure denkt beim Energiesparen zuerst an technische Lösungen: Durchflussbegrenzer in den Wasserhahn einbauen. Brausenköpfe installieren, die weniger Nass durchlassen und auf deren Display Eisbären mahnen, dass man zu lange unter der Dusche steht.

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Verbraucherverbände, Geldschützer, Tageszeitungen und Magazine überschütten ihre Leser dieser Tage mit Tipps zum richtigen, sprich sparsamen Umgang mit Strom und Gas. Akribisch rechnen sie vor, was jede Maßnahme bringt. Der “Spiegel” scheut keine Kosten und erklärt leicht verdaulich in einem eigens produzierten Video, was jeder gegen die Gaskrise und für seinen Geldbeutel tun kann. Wurde ja auch alles nicht schon zig-Mal durchgekaut, und ist ja auch alles schwierig zu verstehen. Geschweige denn, dass man es sich merken könnte.

Energiesparen als nationale Pflichtaufgabe

Den Vogel aber schießt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit seiner Kampagne ab. Er erhöht Energiesparen zur nationalen Pflichtaufgabe (“80 Millionen gemeinsam für Energiewechsel”). Und lobt die Bundesbürger in Interviews dafür, in den ersten Monaten dieses Jahres schon 14 Prozent Gas gegenüber dem Vorjahr weniger verbraucht zu haben.

Natürlich ist es aller Ehren und Mühen wert, mit dem Entzug von fossilen Brennstoffen bei sich persönlich zu beginnen. Allein schon der Klimarettung zuliebe. Sind sich nicht alle einig, unseren Enkeln einen intakten Planeten zu hinterlassen?

Raus aus der gewohnten Komfortzone

Verwunderlich nur, dass sich unter all den Tipps praktisch keine finden, die, schalteten wir mal kurz den Kopf ein, auf der Stelle viel bringen. Ganz ohne Sparbrause oder hydraulischen Abgleich der Heizkörper. Allerdings würden sie uns zwingen, aus unserer gewohnten Komfortzone heraus zu treten und unseren Lebensstil zu überdenken. Ein Beispiel.

“Jeden Samstag geht der nette fette Vater einen Eimer Kohlen holen, aus dem Keller für das Bad, dass er saub’re Kinder hat”, sang einst Liederbarde Wolf Biermann in seiner Ballade vom Familienbad. Sie erinnert daran, dass es Zeiten gab, in denen einmal die Woche baden üblich war. Und die sind gar nicht einmal so lange her. Berichte über stinkende Zeitgenossen mit fettigen Haaren sind nicht überliefert.

Fangen wir an zu stinken, wenn wir nur jeden zweiten Tag duschen?

Nun muss man, um im Bild zu bleiben, nicht gleich das Kind mit dem Bad ausschütten. Aber würden wir eine große Komforteinbuße erleiden, stiegen wir nurmehr jeden zweiten Tag unter die Brause? Das brächte, wie jedem einleuchten wird, ein Vielfaches an Energieeinsparung als ein Grad kälter und eine Minute kürzer zu duschen. Kann jeder ja zusätzlich tun. Und es gibt Dermatologen, die behaupten, die Haut würde es uns danken, wenn ihre Schutzschicht nicht täglich mit Seife und Duftstoffen malträtiert wird.

Oder muss der Wasserhahn während des Händewaschens beständig laufen. Nass machen, einseifen, abspülen ginge auch. Im Zweifel genügt kaltes Wasser. Heißa! Wir würden allein durch die beiden Beispiele die 20-Prozent-Marke beim Gas noch diesen Monat knacken, behaupte ich frech. Die Industrie würde aufatmen und Robert Habeck könnte beruhigter schlafen.

Gönn dem Trockner eine Pause

Der sofort wirkenden Möglichkeiten sind da viele mehr. Einfach mal den Deckel auf den Kochtopf legen statt daneben, den Backofen nicht vorglühen, die Pizza vorm Einlagern im Kühlfach von ihrer Verpackung befreien beispielsweise. Die Temperatur am Durchlauferhitzer runter regulieren sowie Computer und Fernseher nach Gebrauch komplett abschalten, verschlechtern ebenso wenig die Lebensqualität.

Freiwillig, um die Freiheitsrhetoriker von der FDP zu beruhigen, kann auch jeder den Fuß etwas vom Gas nehmen. Und gerade jetzt im Sommer trocknet die Wäsche bestens auf der Leine. Motto: Gönn dem Trockner eine Pause.

Das bisschen Umstellung im Lebensstil hat weder mit Verboten noch Verzicht zu tun. Darfs einfach etwas mehr Verstand sein.

Mehr: verbraucherzentrale finanztip Spiegel ksta

Dieter Dürand

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