Frisches Outfit aus der Leih-Boutique

Ewig die gleichen Klamotten tragen – wer möchte das schon. Doch ständig Neues kaufen ist Ökofrevel. Rock und Mantel aus der Leih-Boutique sind eine Alternative.

Leih-Boutique-Besitzerin Lena Schröder setzt auf mehr Nachhaltigkeit in der Mode
Leih-Boutique-Betreiberin Schröder Chic zum Mieten Bild: Kleiderei

Lena Schröder ist eine Frau mit Prinzipien. Schon während sie Modedesign studierte, wurde ihr klar. Die üblichen Strukturen in der Textilindustrie sind nicht meins: zu viel Ausbeutung, viel zu wenig Nachhaltigkeit. Aus der Erkenntnis folgte ein Entschluss. In Köln führt sie eine Leih-Boutique, in der Kundinnen Kleider, Röcke und Blusen mieten können – auch online. Vier Stücke für 29 Euro im Monat. Das Sortiment der “Kleiderei” umfasst Secondhand-Kleidung ebenso wie Unikate und limitierte Garderobe aus lokalen Schneidereien oder Bio-Ware.

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Ausgelagerter Kleiderschrank in der Leih-Boutique

Weniger kaufen, öfter leihen – und trotzdem Abwechslung im Kleiderschrank haben. So stellt sich Schröder den ersten Schritt zu nachhaltiger Mode vor. Um entscheidende Umweltwirkung zu entfalten, müsse der Trend aber langfristig dahin gehen, Kleidung möglichst lange zu tragen, sie wann immer möglich zu reparieren und ab und zu ein Stück zu leihen. “Es muss einfach weniger produziert und konsumiert werden”, legt sie sich fest.

“Es muss einfach weniger Kleidung produziert und konsumiert werden”

“Kleiderei”-Inhaberin Lena Schröder

Diese Notwendigkeit sieht auch das Umweltbundesamt (UBA). Beständiger Chic versus Wegwerf-Mode lautet die Losung. Die UBA-Experten unterfüttern sie mit eindrücklichen Zahlen. Statistisch legt sich jeder Deutscher im Jahr 60 neue Kleidungsstücke zu mit einem Gewicht von 18 Kilogramm. Das Dreifache, was sich alle Menschen auf der Welt an frisch gekauften Hemden, Hosen und Socken gönnen. Vieles davon wird gerade einmal getragen, oder verstopft gleich den Altkleider-Container.

Zum CO2-Ausstoß kommen riesige Mengen Pestizide und Chemikalien

Eine Irrsinn, der die Umwelt extrem belastet. Schließlich setzt jeder Bundesbürger mit dem Kauf von Textilien und Bekleidung rund 135 Kilogramm Treibhausgase frei, berechnet in CO2-Äquivalenten. Die Emissionen entsprechen ungefähr einer PKW-Fahrt von Stuttgart nach Hamburg. Bei mehr als 80 Millionen Einwohnern summiert sich das auf rund 11 Millionen Tonnen. Obendrauf kommt ein gigantischer Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden und Chemikalien (siehe Video unten).

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Den Fast-Fashion-Wahn und seine Folge beleuchtet dieses Video des Umweltbundesamts

Angesichts dieser Fakten ruft der Wissenschaftsautor Ulrich Eberl im Greenspotting-Interview zu mehr Nachdenklichkeit über unser Konsumverhalten auf. 30 neue Stücke würden es auch tun, findet er.

Vor allem Jüngere freunden sich mit Mietmode an

Damit liegt er ganz auf Lena Schröders Linie. Läden nach ihrem Konzept gibt es inzwischen auch in Berlin und Freiburg, Stuttgart soll bald folgen. Bildet sich da ein neuer Nischenmarkt, der dem Klima zur Hilfe eilt? Schröder erwartet, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis auch die Durchschnittsshopperin dafür offen sei, Kleidung zu leihen. Doch immerhin: Das stationäre wie Online-Angebot wächst. In Berlin wirbt beispielsweise der Händler Modami um Kundschaft, in Hamburg Bridge&Tunnel sowie ClosetMinds. Und es gibt weitere Anbieter mehr.

Mut machen könnte ihnen eine repräsentative Greenspeace-Umfrage vom Juli dieses Jahres. Demnach erfreut sich das Mietmodell vor allem unter den 18- bis 29-Jährigen wachsender Beliebtheit. Immerhin 15 Prozent gaben an, sich schon einmal Kleidung bei einem kommerziellen Anbieter ausgeliehen zu haben.

“Leihen, Teilen, Reparieren und Secondhand müssen das neue Normal werden”

Greenpeace-Expertin Viola Wohlgemuth

Viola Wohlgemuth, Greenpeace-Expertin für Konsum und Kreislaufwirtschaft sieht jedoch mehr noch als die Verbraucher die Textilindustrie selbst in der Pflicht. “Wir brauchen die passenden Gesetze, damit Leihen, Teilen, Reparieren und Secondhand das neue Normal werden.” Und sie schiebt nach, Textilhändler müssten sich zu Textildienstleistern wandeln. “Das heißt, weniger verkaufen – und Verantwortung für die von ihnen hergestellte Ware übernehmen, und zwar über deren gesamte Lebensdauer.”

Mehr: UBA Greenpeace

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