Grüner Wasserstoff bald billiger als fossiler

2030 wird mit erneuerbarer Energie gewonnener Wasserstoff weniger kosten als solcher aus Erdgas. Das sagen die Marktanalysten von BloombergNEF voraus. Es wäre ein entscheidender Schritt hin zu einer klimaneutralen Wirtschaftsweise.

Illustration der Wasserstoffproduktion mit Hilfe erneuerbarer Energien
Hoffnungsträger grüner Wasserstoff Rohstoff und Energieträger fürs nachfossile Zeitalter
Illustration: akitada31/Pixabay

Setzen Regierungen und Unternehmen ihre Investitionen im angekündigten Umfang um, dann wird 2022 zu einem Boomjahr für den grünen Wasserstoffsektor. Da sind sich die Bloomberg-Analysten sicher. Sie erwarten, dass die Industrie dieses Jahr Elektrolyseanlagen mit einer Kapazität von 1800 bis 2500 Megawatt (MW) neu aufstellt – gegenüber 458 MW 2021. Die Apparaturen spalten Wasser mit Hilfe elektrischer Energie in Wasser- und Sauerstoff auf.

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Preisverfall dank Massenproduktion von Elektrolyse-Anlagen

Neben chinesischen Konzernen setzt zum Beispiel die deutsche Stahlikone Thyssenkrupp auf die Zukunftstechnologie und will mit ihr zumindest in Deutschland Konurrent Siemens als Marktführer ablösen. Mit dem Aufbau einer Massenproduktion der Elektrolyseure sinken deren Preise. Und das verbilligt im Zusammenspiel mit niedrigen Kosten für Wind- und Solarstrom die Gewinnung des klimaneutralen Rohstoffs und Energieträgers.

Und das erheblich. “Obwohl grüner Wasserstoff heute noch teuer ist, erwarten wir, dass er bis 2030 um 75 Prozent billiger wird”, schreiben die Bloomberg-Experten. Ihren Szenarien zufolge würde er dann fast überall auf der Welt weniger kosten als der heute übliche, aus Erdgas hergestellte Wasserstoff (siehe Grafik unten). Fossiler Wasserstoff wäre demnach nurmehr dort konkurrenzfähig, wo ihn Regierungen massiv subventionieren.

Grüner Wasserstoff 2030 fast unschlagbar billig Quelle: BloombergNEF

Eingesetzt wird der saubere Wasserstoff, so Bloomberg, vor allem in fünf industriellen Schlüsselsektoren: der Produktion von Stahl, Ammoniak, Methanol, anderen Chemikalien und in Öl-Raffinerien. Dagegen bleiben batteriegetriebene Elektrofahrzeuge auch nach dem Preissturz die wirtschaftlichere Alternative im Vergleich zu Wasserstoffautos. Daher sehen die Experten aus diesem Bereich keinen nennenswerten Nachfrageschub entstehen.

Covestro will jährlich 100 000 Tonnen Wasserstoff beziehen

Eine jüngste Ankündigung des Chemiekonzerns Covestro bestätigt die Markteinschätzung. Die Leverkusener streben im Rahmen ihrer Dekarbonisierungsstrategie für Werke in Asien, Nordamerika und Europa eine langfristige Liefervereinbarung über grünen Wasserstoff mit dem australischen Hersteller Fortescue Future Industries (FFI) an. Bis zu 100 000 Tonnen jährlich wollen die Rheinländer beziehen. Losgehen soll es in zwei Jahren.

Ein globaler Boom zeichnet sich ab

Spezialschiffe, so der Plan, transportieren den vor allem mit Sonnenstrom erzeugten Grundstoff über die Meere. FFI strebt an, seine Produktionskapazität bis 2030 auf 15 Millionen Tonnen und im darauf folgenden Jahrzehnt sogar auf jährlich 50 Millionen Tonnen zu erweitern. Die deutsche Chemische Industrie benötigt nach Angaben ihres Branchenverbands VCI vorerst rund eine Million Tonnen pro Jahr.

Rund um den Globus schießen Projekte für grünen Wasserstoff gerade wie Pilze aus dem Boden. Unter anderem will Saudi-Arabien mit chinesischer und deutscher Unterstützung groß in das Geschäft einsteigen. An Rhein und Elbe machen die Energieriesen Eon und RWE mit Pilotvorhaben Tempo beim angestrebten klimaneutralen Umbau der Industrie.

Mehr: reneweconomy Covestro

Von Dieter Dürand

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