Klimakonferenz: Viel Blabla, wenig Substanz

Während die Folgen der Erderhitzung wie steigende Meeresspiegel immer krasser werden, endet die Klimakonferenz in Ägypten mit faulen Kompromissen. Eine Bilanz.

Aus Enttäuschung über die Ergebnisse der Klimakonferenz zieht der von steigenden Meeresfluten bedroht Inselstaat Vanuatu vor Gericht
Bedrohtes Inselidyll im Südpazifik Aus Enttäuschung über die Klimakonferenz zieht Vanuatu vor Gericht
Bild: David Mark auf Pixabay

Ist das schon ein Erfolg, wie die deutsche Verhandlungsführerin auf der 27. Klimakonferenz (COP27), Bundesaußenministerin Annalena Baerbock, weismachen will? In der mühselig ausgehandelten Abschlusserklärung einigten sich rund 200 Staaten nun darauf, das vor sieben Jahren in Paris vereinbarte 1,5-Grad-Ziel zumindest formal nicht aufzugeben. Doch praktisch verpflichten sich die Länder auch in Ägypten zu keinerlei festen Zusagen. Es bleibt unklar, wie sie den Temperaturanstieg auf dem Planeten auf dieses als gerade noch verträglich eingestufte Limit begrenzen wollen. Dabei rückt der bedrohlich nahe.

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Große Emittenten wie China blockieren Fortschritte auf der Klimakonferenz

Von entschiedenem Gegensteuern nirgends eine Spur. Räumt selbst die grüne Frontfrau ein. “Dass aufgrund der Blockade von einigen großen Emittenten und ölproduzierenden Staaten überfällige Schritte zur Minderung und zum Ausstieg aus fossilen Energien verhindert wurden, ist mehr als frustrierend.” Gemeint sind unter anderen China und Indien.

Auch EU-Kommissionsvize Frans Timmermans und UN-Generalsekretär António Guterres wettern, dass dieses zentrale Ziel verfehlt wurde. Es sei nicht gelungen “drastische Emissionssenkungen” zu vereinbaren, klagt Guterres. Sein Fazit: “Unser Planet ist in der Notaufnahme”.

“Unser Planet ist in der Notaufnahme”

UN-Generalsekretär António Guterres

Einzig ein Beschluss lindert die allgemeine Enttäuschung. Erstmals stimmten die COP27-Teilnehmer zu, einen Fond einzurichten, mit dessen Geldern die vom Klimawandel besonders hart getroffenen Entwicklungsländer einen Teil der entstandenen Schäden und Verluste ausgleichen können sollen. Welche Länder einzahlen, bleibt allerdings ebenso unklar wie die Höhe ihrer Beiträge. Von den zuletzt beim vergangenen Gipfel in Glasgow zugesagten 100 Milliarden Dollar zum Klimaschutz, haben die Industrienationen erst ein gutes Drittel ausgezahlt.

Kosten des Klimawandels ufern aus

Viele Entwicklungsländer misstrauen daher den neuen Zusage. Dafür legen sie Zahlen vor. Eine Gruppe 58 besonders betroffener Staaten hat Schäden in Höhe von mehr als 587 Milliarden Euro für die vergangenen 20 Jahren errechnet. Weltweit kostet der Klimawandel die Weltgemeinschaft inzwischen 383 Millionen Dollar – jeden Tag! Das sagt Petteri Taalas, Chef der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Tendenz steigend.

Wachsenden Risiken sehen sich gerade Inselstaaten und am Meer gelegene Länder ausgesetzt. 18 von ihnen, darunter Chile, Neuseeland, Island und Schweden haben sich zu einer Allianz verbündet. Ihre gemeinsame Sorge: Weil Polkappen und Gletscher rasend schnell auftauen, könnten die Ozeane schon in wenigen Jahren große Flächen ihrer Küsten überfluten.

Sturmfluten versalzen die Böden im Landesinneren

Schon jetzt, bei einem Anstieg des Pegels um durchschnittlich 20 Zentimeter, müssen Eigentümer küstennahe Häuser aufgeben, ergießen sich Sturmfluten immer tiefer ins Landesinnere, versalzen dort die Böden. Rafft sich die Weltgemeinschaft nicht doch noch in letzter Minute auf zum schnellen Ausstieg aus Kohle, Gas und Öl, könnte die Erde sich bis zum Ende des Jahrhunderts um drei Grad Celsius erwärmen. Das wäre das Horrorszenario: Der Meeresspiegel würde als Folge um fünf bis zehn Meter höher liegen als heute. New York, Amsterdam und Dhaka adé.

Vanuatu zieht vor den Internationalen Gerichtshof

Die Inselregierung des vom Untergang bedrohten Vanuatu im Südpazifik will es nicht so weit kommen lassen. Sie hat genug von dem unwürdigen Gezerre und den uneingelösten Versprechungen der reichen Industrienationen, die mit ihren Emissionen das Klimadesaster angerichtet haben. Das Land schaltet jetzt den Internationalen Gerichtshof der Vereinten Nationen ein.

Die Juristen in Den Haag sollen Außenminister Ralph Regenvanu zufolge in einem Rechtsgutachten klären, wer für die Versäumnisse beim Klimaschtutz “haftbar gemacht werden kann”. Er berichtet, 80 weitere Staaten, darunter Deutschland, würden den Plan gutheißen. Regenvanu ist sich im klaren, dass keine Urteil einen Staat zwingend binden würde, es zu befolgen. Vielmehr setzt er auf den moralischen Druck, der daraus erfolgen würde. Ein kleiner Inselstaat kämpft gegen die Mächtigen der Welt.

Mehr: Tagesschau Guardian t-online srf SZ

Dieter Dürand

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