Neue Heizung oder lieber Dämmung? Alles über Kosten, Förderung und hartnäckige Mythen

Investiere ich in die Heizung oder in die Dämmung? Für unsanierte Häuser ist die Antwort klar. Hier die Fakten gegen fünf kursierende Irrtümer.

Die Dämmung eines unsanierten Gebäudes rechnet sich in den allermeisten Fällen früher als der Kauf einer neuen Heizung
Zuschnitt eines Isoliermaterials Dämmung rechnet sich in den meisten Fällen
Bild: Verbraucherzentrale NRW

Nachdem Robert Habecks Heizungsgesetz in seiner aktuellen Fassung Immobilieneigentümern viel Zeit und Spielraum lässt, eine klimagerechte Heizung einzubauen, rückt die Frage wieder verstärkt ins Rampenlicht: Bringt es meinem Geldbeutel und der Umwelt unter dem Strich mehr, in die Dämmung meines Hauses zu investieren?

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Die Kosten der Dämmung sind überschaubar

Die Fachleute der Stiftung Warentest halten dafür eine simple Faustregel parat. Bei Gebäuden, die nach Mitte der 1990iger Jahre errichtet wurden, ist die Wärmedämmung zumeist schon so gut, dass zusätzliche Maßnahmen wenig bis nichts bringen. Für Neubauten schreibt die EU sogar von 2030 an Nullemissionen vor.

Anders sieht es bei älteren Häusern aus, vor allem unsanierten, die vor 1980 gebaut wurden. Bei ihnen rechnet sich eine Dämmung unter Berücksichtigung von Kosten und Förderung auf jeden Fall.

“Die Dämmung von Dach und Wand steht an erster Stelle und lohnt sich fast immer”

Christian Handwerk, Verbraucherzentrale NRW

Neben dem Alter der Immobilie gibt ein zweiter Wert Aufschluss über die Rentabilität. Verschlingt sie pro Jahr und Quadratmeter mehr als 150 Kilowattstunden, besteht dringender Bedarf für eine energetische Fitnesskur.

Fitnesskur für unsanierte Bauten

Das bestätigt Christian Handwerk, Energieexperte der Verbraucherzentrale (VZ) NRW. “Die Dämmung von Dach und Wand steht an erster Stelle und lohnt sich fast immer.”

In einem aktuellen Papier räumen die Nordrhein-Westfalen zudem mit fünf populären Irrtümern übers Dämmen auf:

Irrtum 1: Dämmung ist eine Fehlinvestition

Ein effektives Wärmedämmverbundsystem – es hält etwa 40 Jahre – auf die Außenwand zu kleben, kostet zwischen 100 und 140 Euro je Quadratmeter. Dafür entfleucht nach der Sanierung nurmehr ein Bruchteil der Heizenergie ins Freie: zwischen zehn und 15 Prozent. Das spart über die Jahre enorme Heizkosten. Unter Berücksichtigung üblicher Förderzuschüsse amortisiere sich die Investition in weniger als 15 Jahren, bekräftigen die VZ-Experten. Und damit weit schneller als ein Heizungsaustausch, weil das neue Gerät groß und teuer ausfallen muss, um die schlecht isolierten Räume warm zu halten. Bis sich die Dämmung des Dachs auszahlt, dauert es zwar etwas länger. Sie sei dennoch lukrativer als ein Heizungswechsel, so die VZ.

Irrtum 2: Dämmstoffe sind Sondermüll

Stimmt nicht, sagt die VZ. Jedenfalls nicht für alle heutigen verbauten Dämmmaterialien. Diese dürfen, anders als bis 2016 verwendete, keine schädlichen Flammschutzmittel mehr enthalten. Mineralwolle oder andere Naturdämmstoffe müssen ohnehin nicht als Sondermüll behandelt werden.

Irrtum 3: Glaswoll-Dämmstoffe sind krebserregend

Die Hersteller von Glas- oder Steinwolle haben die Fasern den Verbraucherschützern zufolge schon länger so modifiziert, dass ihre Verarbeitung gesundheitlich unbedenklich ist. Lediglich Hautreizungen träten bei empfindlichen Menschen gelegentlich auf. Das beste Mittel dagegen: Handschuhe tragen, wenn man damit hantiert.

Irrtum 4: Dämmung steigert das Brandrisiko

Auch dieses Voruteil hält die VZ für widerlegt. Die Befürchtung bezog sich vor allem auf die viel verbauten EPS-Hartschaumplatten. Doch Studien und Statistiken zeigten, dass ein erhöhtes Risiko der schnellen Brandausdehnung allenfalls dann bestünde, wenn die Handwerker das Wärmedämmverbundsystem nicht fachgerecht montierten.

Irrtum 5: Dämmung fördert Schimmel

Die Dämmung verhindere, dass die Feuchtigkeit aus den Wohnräumen durch die Wände nach außen ins Freie gelangen kann. Sie schlage sich stattdessen an kühlen Flächen im Inneren nieder und begünstige so die Schimmelbildung. Auch das sei eine Mär, entgegnen die VZ-Experten. Der Effekte könne allenfalls auftreten, wenn die Dämmung durch einen falsch gewählten Außenputz zu stark abgedichtet werde. Bei korrekter Ausführung verhindere die Dämmung dagegen kalte Stellen im Inneren. Das senke das Risiko, dass sich Pilzsporen ausbreiten können.

Mehr: Stiftung Warentest Verbraucherzentrale

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