Wasserstoff-Patente: Europa hat die Nase vorn

Gemessen an der Zahl der Patente, führt die EU bei Forschung und Entwickung grüner Wasserstoff-Technologien. NRW und Niederlande mit besten Standort-Aussichten.

Europa reichte global die meisten  Patente für Wasserstoff-Technologien ein
Klimaretter Wasserstoff Europa meldet die meisten Patente an Bild: Roman auf Pixabay

Aus Wasser per erneuerbarer Elektrizität abgespaltener Wasserstoff (H2) soll Kohle, Öl und Gas ersetzen. Das Ziel: Doch noch in letzter Sekunde die Erderwärmung abmildern. Ob er wirklich, wie von Regierungen rund um den Erdball erhofft, das Klima quasi im Alleingang retten kann, darüber streiten die Experten. Sicher ist indes: Weder Staaten noch Konzerne wollen sich das sich anbahnende große Geschäft entgehen lassen. Sie investieren massiv in Forschung und Entwicklung der Wasserstoff-Technologie und den Aufbau einer schlagkräftigen Infrastruktur. Dabei meldet Europa am fleißigsten Patente an. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Internationalen Energieagentur (IEA) und des Europäischen Patentamts (EPO).

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Annähernd ein Drittel der Patente stammen aus Europa

Bei vier von fünf Anträgen hätten die Sorgen um den fortschreitenden Klimawandel den entscheidenden Anstoß gegeben, hebt IEA-Direktor Fatih Birol hervor. Über die gesamte Wertschöpfungskette reichten EU-Länder im erfassten Zeitraum von 2011 bis 2020 mit 28 Prozent die meisten Patente ein. Von Herstellung über Speicherung, Verteilung, Umwandlung bis zu Anwendungen beim Endkunden, zumeist die Industrie. Den zweiten Platz errang Japan mit 24 Prozent Anteil, gefolgt von den USA mit 20 Prozent (siehe Grafik unten).

Grafik: Welche Weltregionen und Länder die meisten Patente zu Wasserstoff-Technologien einreichen
Weltweite Patentanmeldungen in der Wasserstoff-Forschung von der Herstellung bis zur Anwendung Europa an der Spitze
Grafik: IEA

Vereinigte Staaten fallen zurück

Auf Deutschland entfielen elf Prozent der Anträge. Europas stärkste Volkswirtschaft liegt damit klar vor Frankreich (sechs Prozent) und den Niederlanden (drei Prozent). Hiesige Konzerne wie Linde, Siemens, Bosch und BASF gehören dabei zu den fleißigsten Innovatoren. Hingegen fielen die USA zurück. China und Südkorea stehen in den Startlöchern, haben aber noch großen Nachholbedarf.

Es wird spannend zu sehen sein, ob Europa seinen technologischen Vorsprung dieses Mal für den Aufbau einer global führenden Zukunftsindustrie nutzen kann. Oder ihn wie zuletzt in der Photovoltaik wieder verspielt.

Die EU peilt die Produktion von zehn Millionen Tonnen H2 an

Klar ist: Trotz Patent-Boom sind längst noch nicht alle Herausforderungen um den grünen Hoffnungsträger gelöst. Das betont EPO-Chef Antonio Campinos. “Es sind dringend Innovationen bei einer Vielzahl von Technologien erforderlich, wenn Wasserstoff ein wichtige Rolle bei der Verringerung der CO2-Emissionen spielen soll.”

Die EU-Kommission hat sauberen Wasserstoff zu einem zentralen Baustein ihrer Klimastrategie erkoren. Dem vergangenes Jahr aufgelegten REPowerEU-Plan zufolge sollen zwischen Polen und Portugal 2030 schon 10 Millionen Tonnen des Energieträgers produziert werden. Um die Entwicklung zu beschleunigen, hat sie zusätzliche 200 Millionen Euro für die Forschung locker gemacht.

Deutsch-niederländisches Cluster wird Hydrogen-Valley

Doch die Regionen werden von dem Markthochlauf sehr unterschiedlich profitieren. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Studie des Centrums für europäische Politik (CEP). Beste Chancen räumt CEP-Experte André Wolf den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen ein. Seine Begründung: Dort ballten sich wichtige zentrale Abnehmer etwa aus der Chemie- und Stahlindustrie. Und leistungsstarke Meereswindparks, die genügend grünen Strom bereit stellen, seien nicht fern.

“Eine überbordende Bürokratie aus Brüssel könnte zum Bremsklotz werden”

André Wolf, CEP

Für Frankreich und Italien sieht Wolf dagegen schwarz. “Mit ihren Wirtschaftszentren rund um Paris sowie rund um Mailand und Turin müssen sie aufpassen, beim Wasserstoff nicht den Anschluss zu verlieren.“

Projekte stärker bündeln und koordinieren

Für Europa insgesamt hält der Experte aber auch ein Warnung parat. Die EU-Institutionen müssten ihre Fördergelder viel zielgerichteter als bisher einsetzen und ihre Projekte stärker bündeln und koordinieren, fordert Wolf. Zudem gefährde eine “überbordende Regulierung den Pfad Richtung Wirtschaftlichkeit”.

Die Botschaft ist klar: Korrigiert die EU diese Fehlentwicklungen nicht, schmilzt der schöne Vorsprung in dieser Schlüsseltechnologie zügig dahin.

Mehr: IEA hydrogentechworld CEP

Dieter Dürand

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