Flüssiggas: Deutschland und Europa stürzen sich in die Abhängigkeit von schmutzigem teuren LNG aus den USA

Um Russland für den Krieg gegen die Ukraine zu bestrafen, begeben sich Deutschland und Europa massiv in die Abhängigkeit von Flüssiggas aus den USA. Das ist nicht nur fragwürdig, weil LNG kostspielig und mindestens so umwelt- und klimaschädlich ist wie herkömmliches Erdgas.

Förderung von Schiefergas: Durch Fracking gewonnenes und zu LNG verflüssigtes Erdgas aus den USA ist klima- und umweltschädlich (Foto: Anita Starzicka / pixabay)

Der Essener Energiekonzern RWE hat sich für 15 Jahre gebunden, sein baden-württembergischer Wettbewerber EnBW sogar für 20 Jahre, nicht minder lang der Branchengigant Total aus Frankreich, Iberdrola aus Spanien und BP aus Großbritannien. Mindestens 33 Verträge deutscher und europäischer Unternehmen mit US-Anbietern über die Lieferung von Flüssiggas (LNG) aus den Vereinigten Staaten zählt die Online-Plattform Europe Investigate inzwischen, 16 davon allein aus den vergangenen zwei Jahren. Wesentlicher Impuls für die Milliarden-Importe ist die Entscheidung der Nato-Staaten unter Führung des LNG-Großproduzenten USA, Russland für den Krieg gegen die Ukraine mit dem Ende des Öl- und Gasbezugs aus Sibirien zu bestrafen. Doch damit begeben sich die Regierungen Europas in eine neue höchst fragwürdige Abhängigkeit.

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Höheres Blutkrebsrisiko an Fracking-Standorten

Zum einen ist das Erdgas aus den USA, das durch Fracking gewonnen, anschließend verflüssigt und am Zielort wieder in den gasförmigen Zustand versetzt wird, mindestens so schädlich für die Umwelt und das Klima wie Erdgas aus herkömmlichen Bohrlöchern. In Deutschland ist das hierfür erforderliche Ausspülen tiefer Schieferschichten nicht erlaubt, ebenswenig in vielen anderen Staaten Europas. In den Vereinigten Staaten hingegen ist mit Blick auf das Geschäft mit der Alten Welt ein nochmaliger LNG- und Fracking-Boom ausgebrochen. Und das obwohl die Fördermethode, die die FDP auch in Deutschland erlauben will, höchst umstritten ist. So ergab eine aktuelle Studie der Universität Yale im US-Bundesstaat Connecticut, dass Kinder, die in einem Umkreis von zwei Kilometern um Fracking-Standorte in Pennsylvania leben, ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für eine schwere Form von Kinderleukämie haben.

USA sind unvollständige Demokratie und weniger nachaltig als Kuba

Zum anderen stürzen sich Deutschland und Europa mit der Entscheidung für LNG in eine Abhängigkeit von Staaten, deren Gebaren wenig oder nichts mit der von Politikern wie der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) beschworenen “westlichen Wertgememeinschaft” zu tun haben. Das gilt nicht nur für die Diktatur im arabischen Katar, mit der Baerbocks Parteifreund und Wirtschaftsminister Robert Habeck Flüssiggas-Lieferungen vereinbart hat. Auch die USA tun sich nicht gerade als Hort der Nachhaltigkeit und Menschenrechte hervor. So belegen die Vereinigten Staaten im weltweiten Demokratie-Ranking des britischen Wirtschaftsmagazins “Economist” Platz 26 und sind damit im Gegensatz zu Deutschland (Platz 15) eine “unvollständige Demokratie”. Und im Nachhaltigkeitsindex der UNO sind die USA im vergangenen Jahr von Platz 32 auf Platz 41 abgestürzt und liegen jetzt hinter Ländern wie Kuba, Rumänien und Weißrussland.

Mehr: Investigate Europe

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