Neue Gentechnik – Gefahr durch die Hintertür

Umweltorganisationen warnen vor laxeren Regeln bei der Neuen Gentechnik (NGT). Zwei Konzerne könnten sonst künftig unsere Ernährung kontrollieren.

Neue Gentechnik stattet etwa Kartoffelpflanzen mit neuen Eigenschaften aus
Kartoffelacker Neue Gentechnik schafft neue Abhängigkeiten Bild: Maria/Pixabay

Die Vorwürfe in der Studie mehrerer Umweltorganisationen unter der Federführung von Friends of the Earth Europa haben es in sich. Die Aktivisten werfen zwei Agro-Giganten vor, die Kontrolle über unsere künftige Ernährung an sich reißen zu wollen. Als Einfallstor brächten sie dafür die Neue Gentechnik (NGT) in Stellung, warnen die Autoren. Am Pranger stehen: der Leverkusener Pharmakonzern Bayer mitsamt seiner US-Saatguttochter Monsanto sowie der US-Agrarchemieriese Corteva.

Vorwurf: Neue Gentechnik schafft monopolartige Strukturen

Anlass des Warnrufs ist die kommendes Jahr anstehende Neufassung der Zulassungsvorschriften für Gentechnik in Europa. Im Einklang mit Bioketten und Discountern wie Aldi laufen die Umweltverbände dagegen Sturm, die Regeln für die NGT zu lockern. Käme es so, erhielten Bayer und Corteva noch weit mehr Kontrolle über den globalen industriellen Saatgutmarkt als heute schon, wettern sie. Momentan beherrscht das Duo dem Bericht zufolge schon 40 Prozent des Sektors.

Höhere Preise – weniger Auswahl

Die beiden Konzerne könnten ihre Macht monopolartig ausbauen, mahnen die Kritiker, weil sie mit Abstand die meisten Patente für die Neue Gentechnik halten. Allein Coverta habe bereits 1430 Patente angemeldet. Das Nachsehen hätten die Landwirte, die beim Kauf von Saatgut immer abhängier würden. Ebenso die Konsumenten – etwa durch höhere Preise und weniger Auswahl.

Aufruf zum Schließen von Schlupflöchern

Desweiteren würde die genetische Vielfalt schrumpfen, was die durch den Klimawandel ohnehin gefährdete Ernährungssicherheit zusätzlich bedrohe. Um die aus ihrer Sicht unheilvolle Entwicklung zu stoppen, rufen die Aktivisten Brüssel zum Handeln auf. “Wir fordern, dass Schlupflöcher im europäischen Patentrecht dringend geschlossen werden und klare Regelungen die konventionelle Züchtung von der Patentierbarkeit ausschließen”, lautet ihr Appell.

Resistenter und ertragreicher

Doch wodurch unterscheidet sich die alte von der neuen Gentechnik überhaupt?

Bei der klassischen Gentechnik setzen Forscher Gene oder Genkonstrukte eines fremden Organismus in das Erbgut einer Pflanze ein. Zum Beispiel, um sie ertragreicher und resitenter gegen Schädlinge zu machen (siehe Grafik unten).

Grafik: Funktionsweise klassische Gentechnik
Grafik und Quelle global2000

Bei der NGT dagegen greifen die Wissenschaftler etwa mittels einer sogenannten Genschere (CRISPR) in das vorhandene Erbgut einer Pflanze ein. Sie verändern es, bis das Genom die gewünschten Eigenschaften aufweist (siehe Grafik unten).

Grafik: Funktionsweise der Neuen Gentechnik (NGT)
Grafik und Quelle global2000

Nicht wenige Experten halten die Sorgen von Friends of the Earth für übertrieben. Sie betonen vielmehr die Chancen, die in der neuen Technologie steckten. So kommt eine agroökonomische Studie der Universität Bonn zu dem Ergebnis, dass die Gentechnik Europas Ernten um sieben bis zehn Prozent steigern könnte. Einhergehend mit einer Reduktion der jährlichen Treibhausgasemissionen der EU-Landwirtschaft von mehr als sieben Prozent. Beide Effekte wären kein Pappenstil.

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