Lithium – Wird der Rohstoff für E-Auto-Batterien knapp?

Bis 2030 sollen 15 Millionen E-Autos auf Deutschlands Straßen rollen. Doch das ehrgeizige Projekt könnte an der Lithiumknappheit scheitern. Ob künftig alternative Quellen oder Recycling das Problem lösen, ist fraglich.

Produktion von Antriebsbatterien im Volkswagen-Werk Braunschweig Bremst knappes Lithium die Autobauer aus? (Foto: Volkswagen)

Neue Untersuchungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zeigen, dass selbst, wenn alle aktuellen Lithium-Abbau- und Recyclingprojekte verwirklicht werden, der Bedarf bis 2030 nicht gedeckt wird. Bis zum Ende des Jahrzehnts wächst die Nachfrage den in der Studie durchgespielten Szenarien zufolge auf mindestens 316 000, möglicherweise aber auch auf 550 000 Tonnen pro Jahr an. Neun Zehntel des aufbereiteten Lithiums gehen in die Antriebsbatterien für E-Autos. Der jährliche Fehlbedarf beträgt je nach Szenario zwischen 300 000 und bestenfalls 90 000 Tonnen. Letztere Zahl entspricht der heutigen Jahresproduktion.

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So richtig knapp dürfte es aber werden, wenn die Pläne der Europäischen Kommission, ab 2035 nur E-Autos zuzulassen, Wirklichkeit werden. Laut Advanced Propulsion Centre (ACP), einem Thinktank der britischen Regierung und der britischen Autoindustrie, wird – wegen des Lithiummangels – zum Ende des Jahrzehnts die erwartete Produktionsziffer von 40 Millionen E-Autos weltweit verfehlt. Statt dessen liefen nur 25 Millionen E-Fahrzeuge von den Bändern. Der Autor der BGR-Studie, Michael Schmidt, sagte dazu dem Handelsblatt: „Es ist einfach nicht genug Lithium da, obgleich es geologisch gesehen keine knappe Ressource ist.”

Schatz am Rhein

Tatsächlich differieren die Schätzungen über die Lithium-Reserven enorm. Selbst jene Schätzungen, die nur die nach herkömmlichen Verfahren abbaubaren Vorkommen berücksichtigen, variieren zwischen 21 Millionen Tonnen und 89 Millionen Tonnen. Doch Lithium kommt nicht nur in Solen von Salzseen oder als abbaubares festes Mineral vor. Allein die Vorkommen in den Tiefen des Oberrheingrabens reichen nach Schätzung des Unternehmens Vulcan Energy Resources für die Batterien von 400 Millionen E-Autos aus. Inzwischen gibt es mehrere Projekte, die eine mögliche Ausbeutung des Rheinschatzes erproben. Doch bis zur Lieferfähigkeit im industriellen Maßstab dürfte noch einige Zeit vergehen.

Mehr Lithium aus dem Meer

Auch das Meerwasser enthält Lithium. In der Summe befindet sich in den Meeren 5000-mal mehr Lithium als in den Gesteinsmassen der Erdkruste – das allerdings in geringer Konzentration. Nur 0,2 ppm (parts per million) beträgt der Anteil im Meerwasser. In Saudi-Arabien haben Wissenschaftler vielversprechende Techniken entwickelt, um die Konzentration zu erhöhen. Doch auch hier haben die Forscher die Marktfähigkeit noch nicht erreicht.

Und die Hoffnungen ins Recycling werden sich wohl kaum erfüllen. So will Volkswagen einen Teil des benötigten Rohstoffs durch die Aufbereitung alter Batterien gewinnen. Über 75 Prozent Recyclingquote sei durchaus denkbar, meinen Experten. Doch Recycling kann nur dann nennenswert zu den Lieferungen beitragen, wenn im großen Stil Batterien ausrangiert werden. Da die E-Mobilität erst am Anfang steht, kann die Wiederverwertung nach Meinung des BGR bis 2030 höchstens zehn Prozent der europäischen Nachfrage befriedigen.

Preise versiebenfacht

Vorerst steigen die Preise für das begehrte Metall. Allein in diesem Jahr hat sich der Preis für Lithium verdoppelt. Seit Anfang 2021 ist der Preis sogar um das siebenfache gestiegen. Nach Einschätzung von Marktkennern ist damit das Ende der Preisrallye noch nicht erreicht.

Denn unter dem Eindruck der wachsenden Knappheit regulieren Liefer- und Verbraucherländer den Markt. In Chile, einem der Hauptförderländer, diskutieren Parlamentarier die Verstaatlichung der Industrie. In Mexiko ist die Lithiumbranche bereits verstaatlicht worden. Und in den Vereinigten Staaten hat Präsident Joe Biden ein Gesetz wiederbelebt, dass Unternehmen zur Herstellung knapper Güter wie Lithium oder andere Rohstoffe für die Batterieproduktion verpflichten kann.

Mehr: Handelsblatt

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