Rekordjahr für die Heizungsindustrie – dabei hängen Gas und Öl die Wärmepumpe ab

Die Ampel setzt auf die Wärmepumpe als Standardheizung. Doch weitaus mehr Deutsche ließen sich 2023 lieber einen Öl- oder Gasbrenner einbauen.

Ein Installateur berät eine Kundin zu einer Gastherme - die Wärmepumpe verlor im zweiten Halbjahr 2023 an Boden
Beratung zu einer Gastherme Weiterhin der Deutschen bevorzugte Heizung Bild: BDH

Auch wenn der grüne Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck abrät (“Man sollte keine neuen Öl- oder Gasheizungen einbauen”). Und Energieexperten der Wärmepumpe ebenso gute Noten ausstellen wie die Stiftung Warentest. Die Bundesbürger zeigen sich störrisch. Nach einem Boom im ersten Halbjahr 2023 knickte die Nachfrage nach der elektrischen Heizung im zweiten Halbjahr ein. Das berichtet der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) in seiner Jahresbilanz.

Wärmepumpe verliert nach Hoch an Boden

Stattdessen bestellten die Hauseigentümer vermehrt Öl- und Gasgeräte. Das beim Verbrennen besonders viel CO2 frei setzende Öl legte als Wärmeerzeuger mit 99 Prozent am stärksten zu – auf mehr als 112 000 Stück. Gasbrenner wurden fast 800 000 mal verkauft (plus 32 Prozent). Wärmepumpen legten um 51 Prozent zu und kamen mit 365 000 Stück auf den zweiten Platz (siehe Grafik unten). Dagegen halbierte sich die Nachfrage nach Wärme sammelnden Sonnenkollektoren fast. Insgesamt sprang der Absatz um 34 Prozent auf mehr als 1,3 Millionen Systeme – ein Rekord.

Die Grafik zeigt, welche Heizsysteme sich die Deutschen 2023 am häufigsten angeschafft haben
Weiterhin dominieren Öl- und Gasheizungen den Neuverkauf statt der Wärmepumpe

Als Hauptgrund für die vorübergehende große Popularität der Wärmepumpe nennen die Verbandsfunktionäre den russischen Angriffkrieg auf die Ukraine, verbunden mit der Sorge vor einer Gasmangellage. Dann aber habe die Bundesregierung den Trend selbst vermasselt, analysiert der BDH. Als Folge des ampelinternen Streits um das Gebäudeenergiegesetz (GEG) – besser bekannt als Heizungsgesetz – und die Ausgestaltung der Förderung hätten Kunden verstärkt wieder zu Ölkesseln und Gasthermen gegriffen.

Ampel-Koalitionäre vermasseln den Boom

Inzwischen ist das GEG in Kraft und auch die Förderung steht. Insofern fänden Immobilienbesitzer nun zuverlässige Rahmenbedingungen vor, hofft BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt auf eine Fortsetzung des Austauschbooms. Allerdings nicht fokussiert auf die Wärmepumpe.

Gemeinsam mit dem Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) fordert Staudt die Politik auf, eine Informationsoffensive zu starten. Gleichberechtigt zu allen Technologien. “Aus Paragrafen müssen jetzt eingebaute Heizungen werden“, fordert der Verbandsmanager.

Photovoltaik-Kraftwerk auf Dächern der Kölner Messehallen: Spektakuläres Energiekonzept mit Großwärmepumpen
Photovoltaik-Anlage auf Dächern der Kölner Messe Kombiniert mit spektakulärem Wärmekonzept
Bild: Koelnmesse Ludolf Dahmen

Bleiben die elektrischen Heizungen in Privathand voraussichtlich ein unsicherer Kantonist, könnte stattdessen die Stunde ihrer großen Brüder schlagen – der Großwärmepumpen. Sie arbeiten hocheffizient, verdichten Umgebungswärme aller Art, etwa entzogen aus Flüssen, Abwässern oder der Luft, auf heizfähige Temperaturen für Fernwärmenetze und den Eigenverbrauch in großen Unternehmen.

Spektakuläres Wärmekonzept der Kölner Messe

Spektakulär ist ein Projekt, das die Kölner Messe jetzt startet. Sie legt ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk still zugunsten von zwei Hochtemperatur-Wärmepumpen. Jede ist elf Meter lang und wiegt 52 Tonnen. Drei Viertel des jährlichen Wärmebedarfs sollen die klimaschonenden Anlagen decken können. Den Rest wollen die Messemanager vor allem aus dem Fernwärmenetz des örtlichen Versorgers Rheinenergie zapfen.

Besonderer Clou dabei: Im Sommer fließt grün erzeugte Wärme und Abwärme, zwischengelagert in bisherigen Wassertanks für Sprinkleranlagen, zurück ins Fernwärmenetz. Bisher blieb die Energie ungenutzt. Zudem will die Messe weitere Photovoltaik-Anlagen auf die Dächer ihrer riesigen Hallen setzen. Die ersten mit einer Fläche von 15 000 Quadratmetern gehen im Frühling in Betrieb.

Unter dem Strich sollen das neue Wärmekonzept, die eigene Solarstrom-Produktion und der Bezug von Ökoenergie dem Klima jährlich 22 000 Tonnen CO2 ersparen.

Mehr: zdf BDH Koelnmesse

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