Solaroffensive
Solaroffensive koppelt Wirtschaftsboom mit Klimarettung

Schöpft Deutschland seine Kapazitäten für Strom und Wärme aus Sonnenenergie aus, entstehen Jobs, bleibt Energie bezahlbar und der CO2-Ausstoß sinkt.

Schier unerschöpfliches Potential Solarenergie zu Wasser, auf Äckern, in Gebäuden, Städten und Autos Quelle: ISE

Zu diesem wohl klingenden Dreiklang führen zumindest die jetzt in einer Studie veröffentlichten Berechnungen von Forschern des Freiburger Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) im Auftrag von Greenpeace. Dessen Energieexperte Jonas Ott sieht in einer beherzten Solaroffensive die einzige Chance, “uns vor dem Klimakollaps zu bewahren.” Und das sind die zentralen Ergebnisse der Studie:

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  • Auf dem Weg zur Klimaneutralität wird der Strombedarf wegen der Elektrifizierung des Verkehrs-, Energie-, Gebäude- und Industriesektors um den Faktor zwei bis 2,5 ansteigen. Konsequenz: “Um 100 Prozent unseres Strombedarfs mit Erneuerbaren zu decken, müssen wir im Vergleich zu heute das 6 bis 8-fache an Photovoltaik (PV)-Leistung installieren“, sagt ISE-Mann Christoph Kost. Am Ende müssten es bis zu 446 Gigawatt (GW) sein. Ende 2020 war eine Kapazität von 54 Gigawatt am Netz. Um das Ziel zu erreichen, müssen jährlich zwölf bis 20 GW zugebaut werden.
  • Würde ein Gutteil der Zellen und Module wieder in heimischen Gefilden statt in Asien produzierte, entstünden inklusive Planung und Montage der Anlagen bis zu 84 000 Vollzeit-Arbeitsplätze.
  • Bei der Erschließung von Flächen für Solarstrom setzen die ISE-Wissenschaftler längst nicht mehr nur auf Hausdächer – und lassen dabei praktisch keine Möglichkeit mehr außer Betracht. Integrierte PV heißt der Ansatz, bei dem Solarzellen auf gefluteten Braunkohle-Tagebauen schwimmend, über Ackerflächen, in Lärmschutzwänden und Gebäudehüllen sowie in Autodächern begehrte Kilowattstunden erzeugen. Das technische Potential liegt laut ISE bei einer Spitzenleistung von 3160 GW (siehe Grafik unten).
  • Um weg von Erdöl und Erdgas zu kommen, müssen vermehrt Sonnenkollektoren Heizenergie und warmes Wasser bereitstellen. Das Solarthermie-Angebot muss dafür von gegenwärtig 15 auf circa 49 GW ausgebaut werden. Den ISE-Experten zufolge kein allzu schwieriges Unterfangen, weil sich die Anlagen ohne große Zusatzinvestitionen in das bestehende Wärmeversorgungsnetz integrieren ließen.
  • Inzwischen produzieren Solarzellen in Schlüsselmärkten wie China, Indien und Deutschland die Kilowattstunde zumindest zeitweise billiger als Kohlemeiler. Für große Freiflächen-Solarkraftwerke liegen diese Kosten heute an Rhein und Elbe zwischen drei und 5,5 Cent pro kWh, für kleine Dachanlagen bis 30 Kilowatt zwischen sechs und elt Cent. 2040 würden die sogenannten Stromgestehungskosten zwischen zwei und sieben Cent je kWh schwanken, während sich der Strom aus fossilen Quellen wegen der CO2-Bepreisung kontinuierlich verteuern wird.

Der langjährige ISE Chef Eike Weber, jetzt Ko-Präsident des European Solar Manufacturing Councils (ESMC) blickt über Deutschland hinaus und sieht für ganz Europa eine riesige ökonomische Chance in der Wiederbelebung seiner Solarindustrie. Sein Appell an die politisch Verantwortlichen: “Bei einer Schlüsseltechnologie der künftigen Energieproduktion sollte Europa auf eigenen Beinen stehen.”

Deutchland zur Sonne zur Freiheit Unendlich viel Strom vom Himmel Quelle: Fraunhofer ISE

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